Sport : Mit Geräusch und Gefühl

200 Tage nach einem Kreuzbandriss trainiert Pierre-Michel Lasogga mit dem Team.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Nach 70 Minuten bekommt Pierre-Michel Lasogga ein gelbes Leibchen – und ist erst einmal wieder draußen. Beim Spiel ohne Tore steht er hinter der Grundlinie, genauso wie auf der anderen Seite Rob Reekers, Herthas 46 Jahre alter Ko-Trainer, der vor zwölf Jahren seine Karriere als Spieler beendet hat. Lasogga wird das in den kommenden Wochen häufiger passieren: dass er dabei ist, aber noch lange nicht mittendrin. Doch das stört ihn nicht. Besser als der Zustand zuvor ist es allemal. Exakt 200 Tage nach seinem letzten Einsatz für die Berliner steht der Stürmer am Donnerstagnachmittag zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz. „Darauf habe ich lange Zeit hingearbeitet“, sagt Lasogga. „Das ist echt ein schöner Tag für mich.“

Im letzten Bundesligaspiel am 5. Mai war es passiert. Nach einer Stunde stieg Herthas Stürmer im Mittelfeld zu einem Kopfballduell mit dem Hoffenheimer Marvin Compper hoch. Lasogga landete unglücklich auf dem Rasen und verdrehte sich das Knie. Die Diagnose: Kreuzbandriss. Der U-21-Nationalspieler, mit acht Treffern Herthas bester Torschütze in der vergangenen Saison, verpasste die beiden Relegationsspiele gegen Düsseldorf und auch den Start der neuen Spielzeit. „Pierre hat eine harte Leidenszeit hinter sich“, sagt Manager Michael Preetz. „Für ihn ist es ein herrliches Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen. Die schlimmste Zeit hat er hinter sich.“

Lasogga, der im nächsten Monat 21 wird, soll nun nach und nach wieder an die Erfordernisse des Vollkontaktsports Fußball herangeführt werden. Bei der Spielübung am Donnerstag ist er nur als Anspielstation und Ballverteiler eingeplant, einmal gelingt ihm ein präziser Flankenwechsel übers gesamte Feld. „Guter Ball, Pierre!“, ruft Peer Kluge.

Die Übungen, in denen es zu Zweikämpfen kommen kann, sind für Lasogga noch tabu, sonst aber wird er in den kommenden Wochen immer wieder mit der Mannschaft trainieren, sagt Trainer Jos Luhukay. Wenn alles ohne weitere Komplikationen verläuft, könnte Lasogga nach den Weihnachtsferien ganz normal in die Vorbereitung einsteigen und beim Start nach der Winterpause wieder zur Verfügung stehen.

Für den bulligen Stürmer war der Kreuzbandriss die erste schwere Verletzung seiner Karriere. Niemand kann verlässlich vorhersagen, wie ein junger Spieler diese Erfahrung wegsteckt, weder physisch und psychisch. Es macht zumindest den Anschein, als würde Lasogga auch in diesem Fall seine Robustheit zugutekommen. Manager Preetz hat ihn in der Zeit der Reha als sehr entschlossen und „nach vorne gerichtet“ erlebt: „Ich habe den Eindruck, dass er das sehr gut weggesteckt hat.“ Auch körperlich. Lasogga wirkt drahtiger, athletischer. „Ich habe Fett verloren und Muskeln gewonnen“, sagt er.

Die Lust auf Tore ist ihm jedenfalls nicht vergangen. Als Luhukay das Spiel ohne Tore beendet, nimmt sich Lasogga einen Ball, er dreht sich um die eigene Achse und schießt aus 18 Metern auf das leere Tor. Der Ball klatscht an den Pfosten. Ein schönes Geräusch. Stefan Hermanns

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