Sport : Mit Glück und Respekt

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Sven Goldmann über Herthas Pflicht, Stevens nicht mehr infrage zu stellen

Es ist in den vergangenen Tagen viel geredet worden über dieses Ultimatum, das laut Dieter Hoeneß nie eines war, sondern eine Vereinbarung – allerdings mit der ultimativen Verpflichtung für Huub Stevens, zwei Spiele gegen Hansa Rostock binnen vier Tagen jeweils siegreich zu gestalten. Der Trainer hat seinen Teil dieser Vereinbarung eingehalten und die beiden Siege geholt. Egal wie. Auch wenn der zweite nur ein glücklicher Sieg war, der erst nach einem Elfmeterschießen feststand. Trotzdem verdienen Stevens und seine Spieler Respekt: Der von Verein und Öffentlichkeit aufgebaute psychische Druck verleiht auch zwei knappen Siegen gegen die derzeit schwächste Bundesligamannschaft besonderen Glanz.

Respekt ist die moralische Würdigung, eine Weiterbeschäftigung auf absehbare Zeit muss die Anerkennung sein für das, was Stevens und seine Spieler geleistet haben. Es ist ein Zeichen der Glaubwürdigkeit, die sportliche oder menschliche Qualifikation des Trainers nicht erneut infrage zu stellen. Und doch wird diese Diskussion kommen, vielleicht schon beim nächsten Heimspiel in zehn Tagen gegen Mönchengladbach. Zwei Siege gegen Rostock (und ein möglicher dritter am Samstag in Wolfsburg) werden Stevens nicht in einen Volkshelden verwandeln. So leicht ist der Graben zwischen Trainer und Fans nicht zu überwinden, und auch das in Teilen von Aufsichtsrat und Präsidium herrschende Misstrauen wird bei Misserfolgen wieder artikuliert werden. Auf Konsequenzen aber wird diese Koalition der Unzufriedenen vergeblich warten – der Möglichkeit einer schnellen Trennung von Huub Stevens hat Hertha sich durch das Ultimatum beraubt. Das darf sich Manager Hoeneß als Befürworter von Stevens als taktisches Glanzstück anrechnen lassen. Ob es auch ein Glanzstück im Sinne von Hertha BSC ist, werden die kommenden Wochen zeigen.

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