Mit Gottes Hilfe gegen den HSV : Hertha hofft auf Rückkehr von Tolga Cigerci

Endlich wieder Fußball. Darauf hat Tolga Cigerci lange warten müssen - und Hertha ebenfalls. Trainer Jos Luhukay gibt zu: "Wir haben Tolga sehr vermisst." Nun steht der Mittelfeldspieler vor seinem Comeback.

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Tolga Cigerci trainiert wieder. Foto: Imago
Tolga Cigerci trainiert wieder.Foto: Imago

Den freien Tag in dieser Woche hat sich Tolga Cigerci redlich verdient – unter anderem durch unbezahlte Mehrarbeit am Tag zuvor. Die ersten Kollegen hatten am Montag das Vereinsgelände schon frisch geduscht und geföhnt verlassen, da ackerte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC immer noch auf dem Trainingsplatz, gemeinsam mit Hany Mukhtar und Torhüter Sascha Burchert. Cigerci gelangen einige schöne Abschlüsse aus der Distanz, und überhaupt hat er solche freiwilligen Zusatzschichten nie als Belastung empfunden. In seiner aktuellen Situation schon gar nicht. Endlich wieder Fußball. Darauf hat Tolga Cigerci lange warten müssen.

Als er am Ende des Trainingslagers in der Türkei mit Achillessehnenbeschwerden eine Pause einlegen musste, schien das keine große Sache zu sein. Inzwischen aber ist der 21-Jährige seit fast drei Wochen außer Gefecht. Es war eine harte Zeit für Tolga Cigerci – und seine Mannschaft, die mit zwei Niederlagen ins neue Jahr gestartet ist. „Ich muss da gar nicht drum herumreden“, sagt Herthas Trainer Jos Luhukay. „Wir haben Tolga in den letzten beiden Spielen sehr vermisst.“

Cigerci ist ein Spieler, dessen Wert sich oft erst auf den zweiten Blick erschließt, weil er es mit seinem Spiel nun einmal nicht auf öffentliche Wirkung anlegt. Was man an ihm hat, zeigt sich erst, wenn er nicht spielt. So ist es auch jetzt bei Hertha. „Er hat sich von Woche zu Woche gesteigert“, sagt Luhukay über den Mittelfeldspieler, den die Berliner Ende August vom VfL Wolfsburg ausgeliehen haben. Anfangs haben viele Hertha-Fans noch gedacht: Was wollen wir denn mit dem? Aber mit der Zeit ist Cigerci für die Mannschaft immer wertvoller geworden. Es war ein schleichender Prozess, dessen Ergebnis erst jetzt voll durchschlägt. „Er ist unser Denker und Lenker“, sagt Luhukay.

Cigerci zählt zu den laufstärksten Spielern in Herthas Kader. Doch Luhukay gefällt gar nicht, wenn Cigerci darauf reduziert wird, ein moderner Forrest Gump zu sein, der stupide seine Kilometer abreißt. Viel laufen ist kein Wert an sich – es kommt vor allem darauf an, richtig zu laufen. Das tut Cigerci. Weil er Gefahren schon in ihrer Entstehung erkennt und der Mannschaft damit ein latentes Gefühl der Sicherheit gibt. „Er hat unser Spiel in beide Richtungen gelenkt“, sagt Luhukay, „von der Abwehr in den Angriff und vom Angriff in die Abwehr.“

Gerade im Spiel von der Abwehr in den Angriff haben die Berliner zu Beginn der Rückrunde auffällige Defizite offenbart. Ein Tor aus dem Spiel heraus ist ihnen in diesem Jahr noch nicht gelungen. Am Sonntag, bei der 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg, gelang ihnen in der zweiten Hälfte nicht einmal ein durchdachter Angriff. Die Hoffnungen für das Spiel am Samstag beim Hamburger SV, dem dritten Abstiegskandidaten in diesem Jahr, ruhen daher auf der Rückkehr von Tolga Cigerci und dessen strategischem Geschick. „Wir arbeiten darauf hin, dass es Richtung HSV klappt“, sagt Luhukay. Selbst ein Einsatz in der Startelf ist nicht ausgeschlossen.

Cigerci, der in der vergangenen Woche schon wieder individuell trainiert hat, soll am Mittwoch wieder das normale Programm mit der Mannschaft absolvieren. „Ich habe fast keine Schmerzen mehr“, sagt er. An seinem rechten Schuh ist an der Ferse ein Stück herausgeschnitten, damit die Achillessehne nicht weiter gereizt wird. An der Seite steht „Inschallah“. So Gott will.

Wenn Gott will, wird Cigerci am Samstag wieder für Hertha BSC spielen. Jos Luhukay wird bestimmt kein Veto einlegen.

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