Sport : Mit Gottes Hilfe zum Tor

Geistliche spielen beim Clericus Cup in Rom

Vinzenco Delle Donne[Rom]

Vom Kunstrasenplatz Campo della Petriana genießt man eine atemberaubende Sicht auf das Symbol der katholischen Welt: Michelangelos Kuppel des Petersdoms. Klar, dass der Anstoß zum ersten Clericus Cup hier erfolgte. Kardinal Pio Laghi eröffnete das Fußballspiel zwischen der brasilianischen Mannschaft Gregoriana und der mexikanischen Collegio Mater Ecclesia vor der heiligen Kulisse. Er läutete damit das Turnier ein, das die italienischen Medien als „Weltmeisterschaft der Priester und Priesteramtsanwärter“ bezeichnen.

311 Spieler aus insgesamt 50 Nationen, die bei der Mutterkirche in Rom tätig sind, spielen erstmalig bis kommenden Juni um den Clericus Cup. Das Finale findet am 16. Juni im römischen Stadio dei Marmi statt. Das Gros der Spieler stellt mit 30 Prozent erwartungsgemäß Italien. Es gibt Mannschaften aus aller Welt: Mexiko ist ebenso dabei wie Kroatien und Bosnien, aber auch Kamerun und der Kongo.

Das Turnier ist mehr als nur ein PR-Gag. Die Diener des Papstes sagen, sie wollten zum Ursprung des Fußballs zurück. Sie predigen gewissermaßen eine Umkehr im Fußball und wollen ein bisschen zu jenem sportlichen Geist zurückfinden, der sich aus dem italienischen Fußball zuletzt arg verflüchtigt hat. Jedes Spiel müsse eine ganz bestimmte Botschaft transportieren, forderte beispielsweise NOK-Präsident Gianni Petrucci, der dem Turnier seinen profanen Segen gab. Das erste Spiel entschied Collegio Mater Ecclesia mit 6:0 klar für sich. Die brasilianische Verspieltheit ging gegen die mexikanische Geradlinigkeit der „Mutterkirche” unter.

„Wir glauben, dass es notwendig ist, den Fußball und den Sport wieder in die Pfarrgemeiden und Oratorien zurückzuführen“, sagte Monsignore Edo Costantini, der die pfiffige Idee zu dem FußballSpektakel für Kleriker hatte. Die Priester müssten sich in ihrer Pastoralarbeit wieder an die wichtige Bedeutung des Sports erinnern, meinte Costantini. Fußball habe ja auch die phänomenale Wirkung, Konsens zu schaffen. Nach diesem Prinzip sei schließlich auch der politische Aufstieg Silvio Berlusconis zum Präsidenten erfolgt – und dem gehört der FC Milan.

Den gesellschaftlichen Konsens braucht die italienische katholische Kirche dringend, denn auch in Italien laufen ihr die Anhänger scharenweise davon. Daran ändern auch die harten Worte des Papstes nichts, der die unverrückbaren Fundamente des Glaubens gerade immer öfter in den Vordergrund stellt. Zuletzt eckte er auch bei vielen Tifosi an, als er jegliche Form des Zusammenlebens ablehnte, die nicht auf einer kirchlich geschlossenen Ehe beruhe.

Bei den Fußballregeln gibt sich die Kirche allerdings überraschend modern. Beim Clericus Cup gibt es eine neue Karte, und zwar eine blaue. Sie bedeutet eine Zeitstrafe von fünf Minuten auf der Bank. Das „erlaubt den Spielern im Gespräch mit dem Trainer und den Mitspielern, über ihre Fehler nachzudenken”, sagte Monsignore Costantini. Reue und Sühne dürfen auch beim Fußball nicht fehlen. Beim ersten Spiel bedurfte es allerdings keiner Zeitstrafe.

Zuschauende Nonnen und Priester waren beim Eröffnungsspiel kaum anwesend. Die Partie erfolgte vorwiegend unter den Augen neugieriger Journalisten. Im nächsten Jahr soll die Kirchenmeisterschaft auf ganz Italien ausgeweitet werden. Und hinter den dicken Mauern des Vatikans träumt man schon von der Nationalmannschaft des Vatikans. Ein Trikot gibt es schon: weißes Shirt mit gelben Streifen, auf dem die riesigen Schlüssel des Petersdoms prangen.

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