Sport : Mit Granatwerfern gegen die fahrenden Kreuzritter

Per Satellit kamen Fahnder den Terroristen auf die Schliche, die Selbstmordattentate und Entführungen bei der Rallye Dakar planten

Ralph Schulze[Madrid]

Mit Boden-Boden-Raketen und Granatwerfern wollten islamistische Terroristen offenbar die Rallye Dakar in Mauretanien angreifen. Zudem waren Entführungen von Rallye-Teilnehmern und Angriffe mit Kamikazebombern geplant. Dies geht aus abgehörten Funkgesprächen hervor, die französische und amerikanische Geheimdienste in den letzten Wochen in der Saharazone aufgefangen hatten. Diese sehr weit gereiften und konkreten Terrorpläne bewaffneter Gruppen aus dem Dunstkreis Al Qaidas führten auf Rat der französischen Regierung zur Absage der legendären Wüstenrallye Dakar, die in acht von 15 Etappen Mauretanien durchqueren sollte. Es war das erste internationale Großereignis in der Geschichte des Sports, das aufgrund von Terrorwarnungen abgesagt werden musste.

Schon länger haben die USA und Frankreich ihre Aufklärung über der riesigen Sahararegion verstärkt, die zunehmend als neues Aufmarsch- und Trainingsrevier von bewaffneten Fundamentalisten gilt. Dies findet in enger Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten der nordafrikanischen Länder von Mauretanien bis Libyen statt. Mit Spionagesatelliten wird dieses gigantische und unübersichtliche Niemandsland überwacht. Die Nachrichten, die sie auf diese Weise mithörten, ließen die Lauscher dann auch eine erhebliche Terrorgefahr wittern, von der unklar war, ob sie mit den bestehenden Sicherheitsvorkehrungen abgewehrt werden konnte. Der französische Dakar-Veranstalter ASO kam letztlich zu dem Schluss, die Terrordrohung sei „hinterhältig und dramatisch“ und die Sicherheit nicht hinreichend gewährleistet.

Kurz nach der Ermordung von vier französischen Touristen am Heiligabend an einer Überlandstraße in Mauretanien hatte Al Qaida zudem eine Drohung im Internet gegen die prowestliche mauretanische Regierung veröffentlicht. Darin wird der politischen Führung in der Hauptstadt Nouakchott vorgeworfen, mit den „Kreuzrittern, Abtrünnigen und Ungläubigen“ zusammenzuarbeiten. Zugleich wurden neue Attentate angekündigt. Der Mordanschlag auf die französische Urlauberfamilie, darunter zwei Kinder, wird seitens der mauretanischen Behörden den Extremisten der Gruppierung „Al Qaida im Maghreb“ angelastet. Genauso wie der Überfall auf eine Kaserne der mauretanischen Armee drei Tage später mit drei Toten und reicher Waffenbeute.

Das deutsche und das französische Außenministerium warnen – ebenso wie alle anderen europäischen Staaten – Abenteuerlustige vor einer Reise nach Mauretanien: „Anschläge oder Entführungen können nicht ausgeschlossen werden.“ Annähernd 30 000 Wüstentouristen reisen jedes Jahr in das islamische Sahara-Land, das zu den ärmsten Staaten Afrikas gehört und in dem der Fundamentalismus einen fruchtbaren Nährboden findet. Die meisten Reisenden in der früheren französischen Kolonie kommen aus Frankreich.

Bereits 2003 waren im Nachbarstaat Algerien 32 europäische Wüstenurlauber von bewaffneten Islamisten entführt und erst Monate später gegen Lösegeldzahlungen freigelassen worden. Damals bewiesen die Fundamentalisten in einer monatelangen Flucht, dass sie in der weiten Wüste schwer zu fassen sind. Der nordafrikanische Al-Qaida-Flügel hat seine stärkste Basis immer noch in Algerien. Dort führte jahrelang die „Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC) ihren „Heiligen Krieg“ gegen die Regierung in Algier wie auch gegen westliche Ziele. Vor einem Jahr benannte sich die GSPC in „Al Qaida im Maghreb“ um und verkündete, die Extremisten Nordafrikas unter einem Dach zusammenzuführen.

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