Sport : Mit großen Augen

Europa staunt über den Auftritt von Dortmunds Mario Götze in Amsterdam.

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Zum Davonschweben. Mario Götze freut sich über sein Tor zum 2:0 gegen Ajax Amsterdam. Foto: Eibner Foto: Eibner Pressefoto
Zum Davonschweben. Mario Götze freut sich über sein Tor zum 2:0 gegen Ajax Amsterdam. Foto: EibnerFoto: Eibner Pressefoto

Mario Götze stand vor den Katakomben der Amsterdam Arena. Der Nationalspieler von Borussia Dortmund blickte mit großen Augen hinauf zur Videowand und verfolgte die bewegten Bilder des gerade beendeten Spiels. Und in jeder Sequenz spielte der 20-Jährige die Hauptrolle. Die Fans des BVB lieferten dazu die akustische Untermalung, indem sie das Lied „Traum von Amsterdam“ intonierten.

Götze hatte allen Grund, die Nacht in vollen Zügen zu genießen. Was der Nationalspieler gegen Ajax Amsterdam abgeliefert hatte, ist mit dem Adjektiv überragend kaum zu beschreiben. Drei Tore seiner Mitspieler Marco Reus und Robert Lewandowski (zwei) hatte er vorbereitet, eins war ihm selbst geglückt. Am Ende hatte der Deutsche Meister das Gastspiel souverän mit 4:1 (3:0) für sich entschieden, weil er eine beeindruckende Demonstration der Stärke bot und dazu auch noch den Akteur in seinen Reihen hatte, der die Glanzpunkte setzte.

Bereits vor dem letzten Spieltag hat sich der BVB in der Champions League als Gruppensieger behauptet. Eine Leistung, die angesichts der Konkurrenz aus Madrid, Manchester und Amsterdam nicht zu erwarten war. „Wir sind alle stolz auf das, was wir geleistet haben“, sagte Kevin Großkreutz. Innenverteidiger Mats Hummels erlebte schlicht einen „perfekten Abend“. Und was sagte Götze? Nicht viel. Der Youngster sprach über die geschlossene Mannschaftsleistung, die taktische Disziplin oder die gute Raumaufteilung. Über seine eigene Leistung verlor er kein Wort.

Das machten andere. Götzes Kumpel Marco Reus gab zu Protokoll: „Mario ist einfach ein Ausnahmespieler, es macht unheimlich viel Spaß, mit ihm zu spielen.“ Nur Jürgen Klopp mochte nicht mit der gleichen Begeisterung in die Lobeshymnen einstimmen. Dortmunds Trainer sprach deshalb ganz bewusst davon, Götze habe „seinen Fähigkeiten entsprechend agiert“. Klopps Intention war nachvollziehbar, er wollte verhindern, dass die Leistung der anderen Spieler zur Randnotiz verkam.

Tatsächlich war es auffallend, mit welcher Konzentration und gnadenlosen Effizienz alle Dortmunder in Amsterdam agierten. Das galt vor allem für die erste Halbzeit, als der BVB einen Gegner, der 68 Prozent Ballbesitz hatte, nie zur Entfaltung hatte kommen lassen und sämtliche eigene Möglichkeiten in Tore münzte. „Ballbesitz ist kein Qualitätsmerkmal“, erklärte Hummels, „wir haben eine andere Philosophie.“ Konkret heißt das: „Wir haben defensiv unglaublich gearbeitet, sind gelaufen wie die Irren und haben keine Chancen zugelassen.“

Tatsächlich treten die Dortmunder, denen nach dem kläglichen Scheitern in der vergangenen Champions-League-Saison die internationale Reife abgesprochen wurde, inzwischen so abgeklärt auf, dass sich die Frage aufdrängt, wohin das noch führen kann. Klopp mochte sich dazu nicht konkret äußern, wohl aber zum Umstand, dass gleich drei deutsche Teams das Achtelfinale der Champions League erreicht haben. Erst zum zweiten Mal gelang das den Klubs aus der Bundesliga, erst- und letztmalig war das in der Saison 2004/ 2005 der Fall, als Werder Bremen, Bayer Leverkusen und Bayern München die Gruppenphase überstanden. Dass es nun wieder so weit ist, wertet Klopp als „wichtigen Fingerzeig“. Für die Bundesliga und für sein Team: „Uns wurde vorgeworfen, dass wir den deutschen Fußball nicht richtig repräsentieren. Da ist es uns doch wesentlich lieber, wenn man das nicht behaupten kann.“

Mit José Mourinho, Alex Ferguson, Frank De Boer und Franz Beckenbauer ist der Chor in Europa, der dem BVB in dieser Saison noch einiges zutraut, prominent besetzt. Und auch in Dortmund sind sie sich inzwischen über ihre Spielkunst bewusst. „Wir müssen uns nicht kleiner machen, als wir sind“, sagte Mats Hummels, bevor er in den Mannschaftsbus stieg: „Einen Verein wie Borussia Dortmund gibt es nicht 50 Mal auf dieser Welt.“

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