Sport : Mit Händen und Füßen

Ein strittiger Elfmeter beschert dem Hamburger SV den Einzug in die Gruppenphase des Uefa-Pokals

Karsten Doneck[Kopenhagen]

Schon die Körpersprache deutete auf eine gewisse Hochnäsigkeit hin. Nur zwei Schritte Anlauf zum Elfmeter, einem möglicherweise vorentscheidenden. Und diese beiden Schritte machte Sergej Barbarez auch noch wie ein Spaziergänger. So wollte der Bosnier den Hamburger SV im Uefa-Pokal-Spiel beim FC Kopenhagen in Führung bringen. Die Häme des dänischen Publikums im stimmungsvollen Stadion Parken war ihm gewiss, als Kopenhagens Torwart Jesper Christiansen den schwach geschossenen Ball abwehrte. Thomas Doll, der HSV-Trainer, wusste, dass in dieser 55. Minute das letzte Wort noch nicht gesprochen war. „Wir haben diese Typen in der Mannschaft, die sich sagen: Jetzt gehen wir für Sergej noch mal durchs Feuer, so lassen wir den nicht im Regen stehen“, sagte Doll. In der Tat: Der HSV siegte durch ein Tor von Rafael van der Vaart – per Elfmeter – in der zweiten Minute der Nachspielzeit 1:0 (0:0) und steht nach dem 1:1 im Hinspiel von Hamburg jetzt in der Gruppenphase des Uefa-Pokals.

Unter den Kopenhagenern brach Trauer aus. Sie waren so nah dran gewesen, mit ihrer nicht eben ansehnlichen Defensivtaktik und einer unbändigen Kampfmoral die Deutschen aus dem Wettbewerb zu werfen. Mit Händen und Füßen hatten sie sich gewehrt, buchstäblich. Dass dabei allzu oft die Hand im Spiel war, läuft aber nun einmal dem Regelwerk im Fußball entgegen. Beide Handelfmeter, die Schiedsrichter Matthew David Messias aus England gegen Kopenhagen verhängte, waren strittig, einen weitaus klareren Handelfmeter zwischen den beiden Szenen verweigerte der Referee den Hamburgern allerdings. „Die Schiedsrichter haben einen schweren Job, sie müssen innerhalb von Hundertstelsekunden entscheiden“, warb zumindest Thomas Doll um Verständnis für den Schiedsrichter.

Herr Matthew David Messias stand nicht nur wegen der Elfmeter später im Mittelpunkt aller Diskussionen. Er hatte sich in der letzten Viertelstunde auch noch schnell einen besseren Überblick verschafft, indem er vier Beteiligte vom Platz stellte. Erst traf es die Hamburger: Doll musste wegen Reklamierens an der Seitenlinie auf die Tribüne, dann flog Khalid Boulahrouz wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot vom Platz. Und in der Schlussphase der Nachspielzeit, nach dem 1:0 für den HSV, ließen die Dänen ihrem Frust freien Lauf: Innerhalb von 120 Sekunden wurde erst Möller, dann auch noch Silberbauer rausgestellt.

Hans Backe, dem Trainer des FC Kopenhagen, hatte es nachher die Sprache verschlagen. Mitternacht rückte schon näher, da feierten draußen noch immer die 8000 mitgereisten HSV-Fans im ansonsten leeren Stadion ihre Lieblinge. Und drinnen in den Funktionsräumen der Arena wurde Hans Backe aufgefordert, zum Spiel doch ein paar Sätze auf Deutsch zu sagen. Backe wehrte grummelnd ab: „Mein Deutsch ist zu schlecht.“ Nach dem 1:1 im Hinspiel hatte der ehemalige schwedische Nationaltrainer noch herrlich in ihm angeblich fremdem Vokabular gesprochen.

Immerhin mühte sich ein dänischer Journalist redlich, auf Deutsch bei Thomas Doll wegen dessen Platzverweis nachzufragen. Die Frage lautete. „Herr Doll, warum wurden sie weggeworfen?“ Thomas Doll musste lächeln. „Das ist gut ausgedrückt“, sagte er. Und kümmerte sich lieber um die angenehmen Dinge des verrückten Fußballabends. „Unser Verein hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet in Europa“, sagte der Hamburger Trainer.

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