Sport : Mit Hand und Fuß

Mönchengladbach - Kaiserslautern 2:0

Andreas Morbach

Mönchengladbach - Gestern Abend, so gegen 18.15 Uhr, schritt Christian Ziege im dunklen Vereinsanzug durch das Treppenhaus des Borussia-Parks. Der verletzte Kapitän von Borussia Mönchengladbach war so kurz vor der Halbzeit vermutlich unterwegs zur Mannschaftskabine. Und sein zweifelnder Blick nach der vom 1. FC Kaiserslautern überlegen geführten ersten Hälfte untermalte sehr schön die Worte, die Ziege vor dem Anpfiff von sich gegeben hatte. „Wir sollten heute gewinnen. Egal wie“, hatte Ziege gesagt. Vielleicht fiel dieser Satz beim Pausengespräch noch einmal, denn Zieges Kollegen zeigten sich danach mit großem Siegeswillen und gewannen 2:0 – allerdings mit unlauteren Mitteln. Das 1:0 von Oliver Neuville wurde nicht mit dem Fuß, sondern mit der Hand erzielt.

Neun Minuten waren nach dem Wiederanpfiff gespielt, als Neuville im Zweikampf mit Kaiserslauterns Verteidiger Ingo Hertzsch seine rechte Hand mit ins Spiel brachte. Und zwar gezielt: Der Ball landete von dort im Tor, und Schiedsrichter Uwe Kemmling entschied in Zusammenarbeit mit dem Kollegen an der Seitenlinie: Alles in Ordnung, 1:0 für Mönchengladbach. Neuville, der später auch den zweiten Treffer – diesmal regulär – erzielte, jubelte bei seinem Hand-Tor, als sei nichts passiert. Die Aufregung war groß, der Schiedsrichter verlor den Überblick. Anstatt FCK-Spieler Amanatidis für ein übles Foul an Broich zu verwarnen, stellte er den Gladbacher Korzynietz und Kaiserslauterns Grammozis für harmloses Geschubse im Zuge des Amanatidis-Fouls vom Platz. Kaiserslauterns Trainer Kurt Jara war nach dem Spiel verständlicherweise verstimmt. „Jeder im Stadion hat gesehen, dass Neuville den Ball mit der Hand gespielt hat“, sagte er. „Nur die drei Unparteiischen nicht.“ Neuville wird nun mit dem Vorwurf der Unsportlichkeit leben müssen. Sein einziger Vorteil ist: Kemmling hätte sich bei ihm direkt auf dem Spielfeld nach der Wahrheit erkundigen können. Hat er aber nicht.

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