Sport : Mit Himmels Hilfe

Nach seinem Sieg in Belgien ist Sebastian Vettel der vierte Formel-1-Titel in Folge kaum noch zu nehmen.

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Allein auf weiter Flur. Sebastian Vettel hat nun 46 WM-Punkte Vorsprung auf seinen ärgsten Rivalen Fernando Alonso. Foto: AFP
Allein auf weiter Flur. Sebastian Vettel hat nun 46 WM-Punkte Vorsprung auf seinen ärgsten Rivalen Fernando Alonso. Foto: AFPFoto: AFP

Immer wieder blickte man an der Red-Bull-Garage besorgt nach oben. Nur der Himmel hätte den Erfolg des Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel noch verhindern können. Doch der Himmel hielt dicht, der Große Preis von Belgien im sonst regenreichen Spa blieb in diesem Jahr trocken. Souverän feierte der Heppenheimer so seinen fünften Saisonsieg vor Fernando Alonso im Ferrari und dem McLaren-Piloten Lewis Hamilton. Vettels Rennstall Red Bull demonstrierte, dass er mit dem Auto in der Sommerpause noch einmal einen größeren Schritt nach vorne gemacht hat. Und nach dem Rennen waren sich die Konkurrenz und die Experten einig: Vettel ist der vierte WM-Titel in Serie praktisch nicht mehr zu nehmen.

Dass er das Startduell gegen Hamilton erst einmal verlor, spielte keine Rolle, denn schon in der ersten Runde nach der berühmten Kurve von Eau Rouge setzte er sich an die Spitze. Aus der kam der Mercedes-Pilot deutlich schlechter heraus, nachdem er auf einen Randstein geraten war, Vettel konnte auf der folgenden Geraden vorbeigehen. Schon nach drei Runden hatte er drei Sekunden Vorsprung, sein Renningenieur meldete sich über Funk: „Schon deine Reifen, mehr brauchen wir gar nicht.“ Nach seinem zweiten Stopp in Runde 31 hatte der Weltmeister einen Vorsprung von sieben Sekunden, und bekam die Erlaubnis, noch einmal anzugreifen, um ein Polster aufzubauen, falls es gegen Rennende wie befürchtet regnen sollte.

Der Regen kam zwar nicht, aber Vettel tat exakt, was ihm befohlen wurde. „Unglaublich, wie perfekt er unsere Anweisungen immer umsetzen kann“, lobte auch Red-Bull-Motorsportkoordinator Helmut Marko. Mit seinem 31. Sieg zog Vettel mit der britischen Legende Nigel Mansell auf Platz fünf der ewigen Bestenliste gleich. „Aber von innen sieht es nie so leicht und souverän aus wie von außen“, sagte der auf mysteriöse Weise erblondete Vettel danach gut gelaunt. „Trotzdem, es war natürlich ein fantastisches Rennen für uns. Ich hatte eine unglaubliche Pace – und im Laufe des Rennens wurde das Auto immer besser.“

So fuhr Vettel ganz nebenbei auch kurz vor Schluss wieder einmal die schnellste Rennrunde, nicht gerade zur Begeisterung seines Renningenieurs, der noch einmal zur Vorsicht mahnte. „Aber das war heute wirklich nicht so wild, das war ganz ohne Risiko, wenn Sebastian damit seinen Spaß haben will, dann soll er ihn doch haben“, sagte Marko. Vettel meinte sogar: „Ich habe es diesmal wirklich gar nicht darauf angelegt, das hat sich einfach so ergeben, das Auto war einfach so schnell.“

Fernando Alonso zeigte von Anfang an, dass er alles daransetzen würde, seine verpatzte Qualifikation vom Samstag wettzumachen. Der Spanier war nur von Startplatz neun ins Rennen gegangen, und das lag nicht nur an schlechtem Timing und Pech im Regenchaos, wie er öffentlich behauptete. Er hatte sich auf seiner ersten schnellen Runde im letzten Teil des Qualifyings gedreht – und sich dabei so die Reifen ruiniert, dass dann nichts mehr ging. Sollte also die Taktik von Red Bull, den Rivalen geschickt zu destabilisieren, funktioniert haben? Im Weltmeisterteam, so hört man nämlich, hat man die längst feststehende Verpflichtung von Daniel Ricciardo als neuen Teamkollegen von Vettel nur deshalb noch nicht bekannt gegeben, um Alonso in der Ungewissheit zu lassen, ob er vielleicht doch noch eine Chance hätte, zu den Bullen zu wechseln. Am Sonntag jedoch war von Verunsicherung bei dem Spanier nichts zu merken. Nach einem guten Start pflügte er sich durchs Feld, nach dem ersten Stopp war auch Lewis Hamilton fällig und Alonso damit von Rang zwei nicht mehr zu verdrängen.

Mercedes, vor dem Wochenende noch als großer Favorit gehandelt, musste sich am Ende mit den Rängen drei und vier für Hamilton und Rosberg begnügen. „Wir haben ein schwieriges Rennen gehabt, die anderen waren schneller", musste Lewis Hamilton zugeben, „es war nicht einfach.“

Adrian Sutil im Force India als Neunter holte endlich wieder einmal Punkte. „Ich habe heute wirklich alles aus mir und dem Auto herausgeholt“, sagte er. „ Dafür sind zwei Punkte dann gefühlsmäßig sogar relativ wenig, aber wenn einfach nicht mehr geht, muss man eben damit zufrieden sein.“ Für Sauber-Pilot Nico Hülkenberg reichte es dagegen nur zu Rang 13. Der Emmericher hatte zwar nach sehr gutem Start einige Zeit auf Platz acht gelegen, „aber unser Reifenverschleiß war einfach zu hoch“.

In der WM führt Vettel jetzt mit 197 Punkten vor Alonso mit 151 und Hamilton mit 139 Zählern. Kimi Rälkkönen dagegen muss seine Titelhoffnungen wohl allmählich abschreiben. 27 Mal in Serie war der Finne zuletzt in die Punkte gekommen, ausgerechnet auf seiner Lieblingsstrecke riss die Serie: Ausfall wegen eines Bremsdefekts. „Sebastian ist zwar noch nicht Weltmeister, weil immer noch etwas passieren kann – aber es gibt nicht viel, was noch dagegen spricht“, sagt der frühere Formel-1-Pilot Christian Danner.

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