Sport : Mit himmlischer Hilfe

Hertha muss beim VfR Neumünster in die Verlängerung und gewinnt dort trotz blamabler Leistung 3:2.

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Ein Fall für zwei. Herthas Marcel Ndjeng (links) lieferte sich mit Neumünsters Christopher Kramer ein enges Duell. Die Berliner hatten beim Viertligisten mehr Probleme als erwartet. Foto: dpa
Ein Fall für zwei. Herthas Marcel Ndjeng (links) lieferte sich mit Neumünsters Christopher Kramer ein enges Duell. Die Berliner...Foto: dpa

Die erste Runde des DFB-Pokals bietet viele Highlights. Zum Beispiel das Stadionheft des Vereins für Rasensport (VfR) Neumünster. Auf dem Titel zeigten die Holsteiner angebissenes Gebäck und fragten: „Werden heute die Berliner vernascht?“ Dazu wurde im Heft jeder VfR-Spieler mit Beruf und einige Berliner Spieler mit vertauschten Namen vorgestellt. Für Hertha jedoch war die erste Pokalrunde erneut kein Highlight: Wie im Jahr zuvor scheiterte der Bundesliga-Aufsteiger fast blamabel bei einem Viertligisten, vor einem Jahr gegen Wormatia Worms, dies Jahr gewannen sie mit Glück 3:2 (2:1) nach Verlängerung in Neumünster. Doch der schlappe Auftritt vor 5446 Zuschauern lässt Zweifel aufkommen, ob Hertha in dieser Form beim Bundesligastart am kommenden Samstag bestehen kann.

„Der liebe Gott hat uns die zweite Runde geschenkt“, sagte Trainer Jos Luhukay. „Wir haben uns nicht blamiert. Viele Bundesligisten würden gern mit uns tauschen.“ Luhukay sah gleich zu Beginn einen Kopfball Sami Allagui. Der ging jedoch drüber. So konnte Allagui Marcus Hesse nicht in Gefahr bringen. Neumünsters Torwart ist im Hauptberuf Inhaber der Webseite Zigarettenfrei24.de, die Raucherentwöhnung mit Lasertherapie anbietet. Eine Lokalzeitung schrieb bereits, er wolle Herthas Stürmer das Toreschießen abgewöhnen.

Die eigenen Stürmer hatte er offenbar nicht behandelt. In der vierten Minute foulte Marcel Ndjeng, als Rechtsverteidiger statt Peter Pekarik aufgeboten, Neumünsters Michél Harrer. Der Offensivspieler, laut Stadionheft als einziger im Team ohne Job, schoss auch den Freistoß, der von der Mauer abgefälscht wurde. Hertha-Torwart Thomas Kraft sah den Ball spät – 1:0 für Neumünster.

Eine Reaktion der Mannschaft war zunächst nicht zu sehen, dafür von den Hertha-Fans zu hören. „Wir träumen jedes Jahr von der zweiten Runde“, sangen einige hundert mitgereisten Berliner angesichts der vielen Peinlichkeiten in Herthas Pokalhistorie. Den Traum von Runde zwei brachten Sami Allagui und Änis Ben-Hatira näher: Nach einer Viertelstunde stürmte Allagui an Torwart Hesse vorbei und spielte quer zu Ben-Hatira, der den Ball über die Linie drückte. Nach einer halben Stunde spielte Allagui einen öffnenden Diagonalpass zu Ben-Hatira, der mit links ins lange Toreck schoss.

Die Führung war aber noch das beste aus Hertha-Sicht. In der prallen Sonne fehlte es dem Berliner Spiel an Tempo, viele hohe Bälle landeten im Nichts. Vor allem Fabian Lustenberger spielte bei seinem ersten Auftritt als neuer Hertha-Kapitän schwach. Der Regionalligist hingegen zog sich nicht zurück, sondern attackierte mutig, hatte mehr Ecken und eigentlich auch mehr Torchancen.

Auch nach der Pause wurde Herthas Spiel nicht erfrischender. In der 57. Minute verlängerte Ndjeng eine Flanke zu Christoph Kramer, der den Ausgleich köpfte. „In der zweiten Hälfte hätten wir es nur runter spielen müssen, aber wir standen immer zu weit weg von den Männern“, sagte Peer Kluge. Der Berliner Auftritt war nun endgültig blamabel, Hertha spielte sich nicht eine richtige Torchance heraus. Auch dass Neumünsters Kramer kurz vor dem Ende der 90 Minuten nach einem Tritt gegen Ndjeng Gelb-Rot sah, half Hertha nicht. Es ging in die Verlängerung. Hertha baute nun gegen zehn Amateure Druck auf, doch Allagui traf mit einem Weitschuss nur den Pfosten. Kurz darauf startete VfR-Torwart Hesse seine Stürmertherapie, er parierte einen Kopfball Allaguis per Hechtsprung. Es sah nach Elfmeterschießen aus, das Luhukay vorher im Training nicht hatte üben lassen. Doch in letzter Minute fiel Ben-Hatira im Strafraum was Neumünsters Fans ziemlich aufbrachte. Verteidiger Finn Lasse Thomas hatte ihn getroffen. „Das war ein Foul“, sagte Luhukay. „Änis’ Fuß ist geschwollen.“ Das Ausmaß der Blessur ist noch nicht bekannt.

Allagui beschäftigte sich damit nicht, er küsste vor dem Elfmeter den Ball – und verwandelte. Torwart Hasse war mit der Hand dran, aber konnte dem Stürmer das Toreschießen nicht abgewöhnen.

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