Sport : Mit Hoffnung spielt man nicht

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Michael Rosentritt über Herthas Niederlage bei den Menschen

Hertha BSC hat mal wieder verloren. Das ist in dieser Saison nichts Ungewöhnliches, doch diese Niederlage gegen Eintracht Frankfurt wiegt schwerer als viele vorherigen. Zum einen ist es eine Niederlage gegen einen direkten Abstiegskandidaten, und es heißt, dass solche Niederlagen doppelt zählen. Hertha hat es nicht nur verpasst, sich etwas Luft zu den Abstiegsplätzen zu verschaffen, sondern auch noch eine Mannschaft wieder aufgebaut, der es noch schlechter ging. So weit zur sportlichen Situation.

Zum anderen ist es eine Niederlage, die Hoffnungen zerstört. Hoffnungen, die nach den Darbietungen der vergangenen Wochen durchaus berechtigt waren. Nach zuletzt zwei Siegen in Folge hatte Hertha das Interesse, ja sogar das Vertrauen der Fans zurückerobert. 37 000 Menschen waren am Sonntag ins Berliner Olympiastadion gekommen. Das ist viel für einen Kick zweier Abstiegskandidaten – und viel zu viel für das, was Hertha zeigte.

Nach dem Abpfiff herrschte eine merkwürdige Stimmung im Olympiastadion. Kaum jemand weinte, trauerte oder schimpfte. Die da nach Hause gingen, waren im für Hertha günstigen Fall enttäuscht, im ungünstigen Fall sahen sie sich bestätigt in ihrer Ahnung, dass diese Mannschaft nichts taugt, ja dass der Weg ins Olympiastadion vielleicht gar nicht mehr lohnt in dieser Saison. Das ist die eigentliche Niederlage, die Hertha BSC am Sonntag erlitten hat. Sie kann im Abstiegskampf schwerer wiegen als die drei Punkte, die Eintracht Frankfurt aus Berlin entführte.

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