Mit Irland in Italien : Trapattoni: Singt er, oder singt er nicht?

Giovanni Trapattoni kehrt als Trainer der irischen Nationalmannschaft nach Italien zurück. Heute treten die beiden Teams in der WM-Qualifikation gegeneinander an.

Vincenzo Delle Donne[Mailand]
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Gut in Form. Trapattoni hält Hof.Foto: AFP

Fußball ist Giovanni Trapattonis Lebenselixier. Ein Leben ohne Fußball scheint für ihn kaum vorstellbar, deshalb ist der 70-Jährige ständig auf der Suche nach Herausforderungen. Dabei könnte sich Trapattoni längst gemütlich aufs Altenteil zurückziehen. Doch das kommt für ihn gar nicht infrage. Nicht einmal seine Ehefrau Paola kann ihn vom Fußball abbringen. Am heutigen Mittwoch erreicht Trapattonis lange Karriere einen weiteren Höhepunkte: Der Maestro, der seit Juni irischer Nationaltrainer ist, macht ausgerechnet der italienischen Nationalmannschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Südafrika streitig. „Wir können in Bari gewinnen“, sagt er.

Giovanni Trapattoni wusste, worauf er sich einließ, als er die Offerte aus Irland annahm. Der irische Verband rangierte damals auf dem 50. Platz der Fifa-Weltrangliste und wollte wieder Anschluss an die Weltspitze finden. Trapattonis früherer irischer Spieler bei Juventus Turin, Liam Brady, hatte seine Verpflichtung eingefädelt. Trapattoni ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt. Er konnte nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland, Portugal und Österreich Erfolge feiern; in den vier Jahren als italienischer Nationaltrainer war sein Ertrag eher mäßig. Dass sich Irland in der Gruppe 8 mit Italien auseinandersetzen muss, machte die Sache für ihn noch reizvoller. „Ich will mein Bestes geben, damit sich Irland für die WM 2010 in Südafrika qualifiziert“, versprach er. Italien führt die Tabelle vor dem wichtigen Spiel in Bari mit 13 Punkten an. Irland ist mit zwei Punkten Rückstand Zweiter, Bulgarien und Zypern liegen bereits abgeschlagen dahinter.

Wie kaum ein anderer kennt Trapattoni das Spielsystem von Italiens Weltmeistertrainer Marcello Lippi. Als Vaterlandsverräter sieht Lippi Trapattoni deswegen aber nicht. „Er ist ein Profi und gehört zu den besten Trainern der Welt. Ich bin sicher, dass er uns immer noch böse überraschen kann“, sagte Lippi. Gespannt warten nun die Fans, wie Trapattoni die heikle Situation im Stadio San Nicola in Bari überspielen wird: Wird er die Nationalhymne singen oder nicht? Sein italienischer Assistent Marco Tardelli gab zu, dass er vorhabe, die italienische Hymne lediglich zu summen. „Wir wollen aber das Spiel gegen Italien gewinnen“, sagte er.

Wer Trapattonis Spielphilosophie kennt, weiß, dass die irische Mannschaft in Bari voraussichtlich alles tun wird, um wenigstens unentschieden zu spielen. In Sachen Verteidigung und Ergebnisorientiertheit ist Trapattoni ohnehin ein unerreichter Meister, auch wenn das schöne Spiel dabei auf der Strecke bleibt. „Wenn ich ein schönes Spektakel sehen will, gehe ich in die Scala“, hat Trapattoni dieser Tage französischen Journalisten gesagt, die ihn auf seinen angeblichen Defensivfetischismus angesprochen hatten.

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