Sport : Mit Jetlag zum Sieg

Bayern München gewinnt das Halbfinale im Ligapokal gegen Schalke 4:1 im Elfmeterschießen

Andreas Werner[München]

Vielleicht lag es daran, dass die Konkurrenz in München an diesem Abend stark war: Robbie Williams trat im Münchner Olympiastadion auf, der alten Arena des FC Bayern. Jedenfalls waren die Ränge der Allianz-Arena im Spiel gegen Schalke 04 mit 40 000 Zuschauern eher schwach besetzt. Auch Oliver Kahn wollte an diesem Abend nicht mitmachen. Er trainierte lieber und überließ seinen Platz im Tor großzügig Michael Rensing. Der junge Keeper wurde prompt zum Helden des Abends, als er nach 90 torlosen Minuten gleich den ersten Schalker Elfmeter gegen Sebastian Bönisch hielt. Alle anderen Bayern verwandelten, Schalke traf nur einmal durch Peter Lövenkrands. So gewannen die Bayern das Halbfinale des Ligapokals mit 4:1 im Elfmeterschießen und spielen am Sonnabend im Finale in Leipzig gegen Werder Bremen.

Die Münchner waren erst 48 Stunden vor dem Anpfiff von ihrer Freundschaftsspiel-Reise aus Fernost zurückgekommen, ihnen steckte der Jetlag noch in den Knochen. Und so brauchten sie einige Zeit, um ins Spiel zu kommen. Ein weiterer Kahn-Vertreter, Willy Sagnol, der als Kapitän einsprang, war an einer der ersten Chancen beteiligt: Seinen Freistoß erwischte Daniel van Buyten in der 19. Minute mit dem Kopf, doch der neue Star-Verteidiger der Bayern setzte den Ball an den Außenpfosten. Dass man den offensivstarken van Buyten nicht zum Kopfball kommen lassen sollte, erfuhren die Schalker nach einer guten halben Stunde erneut, als der Belgier fast den Führungstreffer erzielt hätte, was Rost mit einer starken Reaktion verhinderte. Torraumszenen entwickelten sich bis dahin meist nach Standardsituationen.

Owen Hargreaves aber gab nun mehr und mehr den Rhythmus vor. Der Engländer, der eine hervorragende WM gespielt hatte, bemühte sich, in eine der vielen Rollen Michael Ballacks hineinzuwachsen, nämlich die hinter den Spitzen. Eine überraschende Lösung, aber keine ganz abwegige.

Im Sturm waren die Bayern dagegen gestern schwach. Lukas Podolski fiel am meisten durch Ballverluste auf und wurde eine Viertelstunde vor Schluss gegen Roque Santa Cruz ausgewechselt. Auch Roy Makaay gelang nicht allzu viel.

Die Schalker, die zuweilen wirkten, als litten sie unter Jetlag, hatten erst wieder kurz vor dem Wechsel eine starke Szene: Ihr neuer Stürmer Peter Lövenkrands drang von links in den Strafraum ein und zog ab. Rensing parierte. Eher unauffällig spielte Schalkes 17-jähriges Talent Mesut Özil, der im Spiel gegen Leverkusen noch überzeugt hatte, aber diesmal zur Halbzeit ausgewechselt wurde.

Die Bayern wollten zeigen, dass auch sie über Talente verfügen, und brachten zur zweiten Hälfte den ebenfalls 17-jährigen Mats Hummels für Martin Demichelis. Ein anderer Youngster, Andreas Ottl, hatte eine gute Chance nach dem Wechsel, doch er verzog knapp. Am anderen Ende der Altersskala kam für die letzten zwanzig Minuten noch der 35-jährige Mehmet Scholl zum Einsatz.

Kurz vor Schluss vergaben dann Makaay für die Bayern und Lövenkrands für Schalke noch einmal Großchancen – bevor es ins Elfmeterschießen ging.

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