Sport : Mit Kopf und Fuß

Venus Williams verletzt sich – und will im German-Open-Finale Amélie Mauresmo besiegen

Benedikt Voigt

Berlin. Rund 30 Zuschauer hatten sich zu dem vormittäglichen Schauspiel auf dem Trainingsplatz der Tennisanlage des LTTC Rot-Weiß eingefunden. Im Schatten des Centre Courts wärmte sich Amélie Mauresmo auf. Die Französin lief einige Male quer über den Platz, danach stretchte und dehnte sie sich konzentriert. Gebannt verfolgten die Zuschauer jedes Detail dieses Vorprogramms, es fehlte nur noch, dass ein Fan am Ende geklatscht hätte. Dabei ist Amélie Mauresmo gegenwärtig auf dem Tennisplatz am spektakulärsten, wenn sie auch noch einen Tennisschläger zur Hand nimmt.

Das bekamen rund 6000 Zuschauer später auf dem Centre Court zu sehen, wo die Französin zum dritten Mal ins Endspiel der German Open einzog (13.30 Uhr, live auf Eurosport). Im gestrigen Halbfinale fegte sie Jennifer Capriati eindrucksvoll 6:2, 6:0 vom Platz und kann nun heute im Finale ihren Erfolg aus dem Jahr 2001 wiederholen. „Ich war heute sehr konzentriert“, sagte die 24-jährige Französin, „eigentlich hatte ich ein härteres Match erwartet.“ Ein solches hatte dann Venus Williams. Die in Berlin an Nummer drei gesetzte US-Amerikanerin hatte große Mühe, die 19-jährige Karolina Sprem 2:6, 6:3, 6:4 zu besiegen. Zudem knickte Venus Williams im letzten Spiel mit dem linken Fuß um. Gestern war noch nicht klar, ob sie im heutigen Finale gegen Amélie Mauresmo wird spielen können. „Es ist auf jeden Fall ein Problem“, sagte Williams. Mit einem Tapeverband am linken Knöchel humpelte sie zur Pressekonferenz. „Ich muss die Verletzung in der Nacht behandeln lassen, alles andere sehen wir dann am Morgen.“

Von ihrer Gegnerin Karolina Sprem dürfte man in den nächsten Jahren auf der WTA-Tour noch einiges hören. In der vergangenen Saison stieß die Kroatin in der Weltrangliste von Rang 253 auf 59 vor. Inzwischen steht sie bereits auf Rang 28. „Ich habe daran geglaubt, dass ich sie schlagen kann“, sagte Sprem. So trat sie auch auf. Schnell führte sie im ersten Satz mit 4:0. „Da hat sie einfach jeden Ball getroffen“, sagte Venus Williams, die erst im zweiten Satz ins Match fand. Doch die zierliche Sprem knallte Venus Williams weiterhin immer wieder mit ihrer harten Vorhand unerreichbare Bälle ins Feld. Im dritten Satz ging sie erneut mit 3:0 in Führung. „Ich habe mir keine großen Sorgen gemacht“, sagte Venus Williams. Sie glich aus und entschied das Match im hart umkämpften siebten Spiel für sich. Während Sprem drei Spielbälle nicht nutzen konnte, gelang Venus Williams das entscheidende Break zum 3:4. Trotz ihrer Fußverletzung sagte sie: „Im Moment bin ich voll motiviert, um im Finale anzutreten.“

Gegen Amélie Mauresmo muss sie jedoch besser spielen. Die Französin gab Jennifer Capriati im ersten Halbfinale eine Lehrstunde. Nach ihrem Aufschlagspiel zum 2:1 im ersten Satz gewann die US-Amerikanerin kein Spiel mehr. Nach 52 Minuten war alles vorbei. „Sie hat schon in den ersten vier oder fünf Spielen nur einen einzigen Fehler gemacht“, sagt Capriati, „da kann man nur den Hut ziehen“. Im zweiten Satz gab sich die US-Amerikanerin auf. „Ich finde, ich habe gar nicht schlecht gespielt", sagte Capriati, „aber sie hat einfach wie im Rausch gespielt.“ Dabei kann die Französin wegen Rückenschmerzen derzeit nicht so hart wie gewohnt aufschlagen. „Es ist immer noch nicht hundertprozentig“, sagte die Nummer drei der Weltrangliste. Das Spiel gegen Capriati hatte sie als einen guten Test für die French Open bezeichnet. Dort wird sie erneut die Hoffnungen ihrer Landsleute tragen, 21 Jahre nach Yannick Noah wieder einen französischen Sieger feiern zu können. Jennifer Capriati: „So, wie sie heute gespielt hat, ist sie dort definitiv die Favoritin.“

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