Sport : Mit Kraft zum Erfolg

Schalke siegt nach Rückstand noch 2:1 in Hamburg

Karsten Doneck[Hamburg]

Der Ballverlust von Björn Schlicke geschah in des Gegners Hälfte. Also in dem Bereich, wo ein Fehlpass normalerweise genügend Raum lässt, die Sache wieder zu bereinigen. Aber beim Kontrahenten, dem FC Schalke 04, gibt es einen Brasilianer namens Lincoln: flink, gewitzt, schussstark. Dieser Lincoln schnappte sich den Ball, lief los und lief: 60, vielleicht 70 Meter weit. Dann zog er ab, flach flitzte der Ball ins äußerste Eck des Tores. Das 2:1 für Schalke, zugleich der Siegtreffer im Spiel beim Hamburger SV. Die beiden Treffer für die Gäste fielen innerhalb von nur 60 Sekunden. Unmittelbar vor Lincolns Solo hatte der eingewechselte Mike Hanke den 1:1-Ausgleich geschafft. Der HSV konnte es nicht fassen, befand er sich doch nach Beinlichs Führungstor kurz nach der Pause auf dem besten Weg zum Sieg.

„Das ist bitter, das haben wir nicht verdient", klagte nachher Thomas Doll, der HSV-Trainer. Unter seiner Regie haben die Hamburger im vierten Spiel nun zum ersten Mal verloren, sie bleiben damit dem Abstiegskampf treu verbunden. „Wir haben alles reingelegt in dieses Spiel, aber letztlich hat uns das Quäntchen Glück gefehlt“, bedauerte Hamburgs Stefan Beinlich, Torschütze zum 1:0, das Endergebnis.

Wie gut haben es da die Schalker: Der Trainerwechsel von Jupp Heynckes zu Ralf Rangnick ist von unschätzbarem Wert. In den sechs Spielen unter Rangnick haben die Schalker ausschließlich gewonnen. Der Trainer erlebte in Hamburg dennoch ein Novum: „Erstmals seit ich bei Schalke bin, musste meine Mannschaft einem Rückstand hinterherlaufen.“ Wenn sie solche Hindernisse so schwungvoll überwindet wie beim HSV, kann Schalke sogar um die Meisterschaft mitreden. Rangnick war begeistert von der kraftvollen Aufholjagd seines Teams. „Das war beeindruckend, sowohl läuferisch als auch vom Siegeswillen her", lobte Rangnick das Auftreten seiner Spieler in der letzten halben Stunde. Der HSV arbeitete sich noch ein paar ordentliche Torchancen heraus, es ließ aber auch die Konzentration in der Deckungsarbeit nach. Was Schalke bestrafte.

„Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen“, stellte Thomas Doll nachher fest. Es ehrte ihn, dass er auch an Schiedsrichter Stefan Trautmann keine Kritik übte. Der hatte dem HSV in der ersten Hälfte beim Stande von 0:0 nach einem Foul von Kobiaschwili an Mpenza einen Elfmeter verweigert. Martin Pieckenhagen, dem HSV-Torwart, blieb am Ende nur das Staunen. „Wir hatten die Geschichte doch eigentlich gut im Griff“, meinte er. Wie man sich irren kann.

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