Sport : "Mit Krücken will ich nicht den Anlauf hochlaufen"

Sein letzter Absprung war der Schwerste: Als Dieter Thoma am Freitag um 13.04 Uhr offiziell sein Karriere-Ende als Skispringer verkündete, war auch viel Wehmut dabei. "Ich möchte mit 40 oder 50 auch noch laufen und Sport treiben können. Seit Jahren spürte ich Schmerzen. Jetzt, mit dem WM-Titel, ist es der richtige Zeitpunkt, um abzutreten", sagte der 29 Jahre alte Olympiasieger und Weltmeister in seiner Heimat-Gemeinde Hinterzarten. Als die Erinnerung ein letztes Mal wach wurde an die vielen Wegbegleiter seines Erfolgs, an seine Familie, Freunde und Trainer, standen Thoma sogar Tränen in den Augen. "Es tut natürlich auch irgendwo weh, aber mit Krücken will ich nicht den Anlauf hochlaufen", sagte Thoma, der als Idol der "Könige der Lüfte" galt.

Sein Abschied von den Sprungschanzen war keine Überraschung mehr; nach 14 Jahren Zugehörigkeit zur Weltklasse zog der Schwarzwälder die Konsequenz aus seiner Verletzungsmisere. Die achte Knieoperation im April zwang Thoma dazu, die Sprunglatten endgültig in die Ecke zu stellen. Neben Jens Weißflog aus Oberwiesenthal war Thoma der bekannteste deutsche Skispringer. Genau wie Weißflog, dem er sich nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten harte Duelle geliefert hatte, gewann Thoma Medaillen in beiden Stilarten, in der klassischen Technik wie im V-Stil.

"Mir wird Dieter sehr fehlen. Auch wenn Dieter immer wieder betont hat, er sei Individualist und kein Führer des Teams, hat er sich jahrelang als Schutzschild vor diese Mannschaft gestellt. Nach dem Rücktritt von Jens Weißflog war Dieter mein wichtigster Mann. In seinem Kernschatten konnten sich andere erst entwickeln, wie Sven Hannawald oder Martin Schmitt", sagte Reinhard Heß zum hohen Stellenwert Thomas im deutschen Springer-Team.

Für den Bundestrainer kam die Ankündigung vom Rücktritt nicht überraschend. "Ich wusste schon seit Wochen davon." Heß hätte Thoma durchaus zugetraut, ganz an die Weltspitze in den Kreis der Medaillenkandidaten zurückzukehren. "Von der Technik her war der Dieter prädestiniert fürs Treppchen, aber seine Probleme mit der Physis waren einfach nicht mehr zu beheben", erklärte er zur Krankheits-Geschichte des Schwarzwälders. Auch seine Kollegen aus dem Gold-Team von Bischofshofen fanden Lobesworte zum Abschied. "Wir haben eine Superzeit gehabt. Eigentlich dachte ich nicht, dass du so schnell aufhörst", sagte Christof Duffner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben