Sport : Mit langem Atem

Anca Barna zieht in die zweite Runde der German Open ein und streitet weiter mit dem DTB

Stefan Hermanns

Berlin. Klaus Eberhard saß weit oben, im Schatten des Tribünendachs, sodass Anca Barna ihn nicht sehen konnte. Allerdings ist es zurzeit auch nicht so, dass Deutschlands beste Tennisspielerin den Chef des deutschen Fedcup-Teams sehen möchte. „Das ist mir egal“, sagt Barna. Die Beiden pflegen ein herzliches Nicht-Verhältnis, geredet haben sie seit dem Sommer nicht mehr miteinander, und eigentlich hätte es sich Eberhard sparen können, die 26 Jahre alte Nürnbergerin beim Auftaktmatch der German Open in Berlin zu beobachten. Schon vor einem halben Jahr hat Barna verkündet, dass sie unter dem Teamchef Eberhard nie mehr im Fedcup spielen werde, und wenn sie es doch tun sollte, dann nur, falls sie 25000 Euro vom Deutschen Tennis Bund (DTB) bekomme.

Das scheint nicht nur ein Widerspruch zu sein, Eberhard hält Barnas Forderung auch für „völlig unrealistisch“, und der gestrige 4:6, 7:6, 6:4-Sieg gegen die Australierin Nicole Pratt lieferte ebenfalls lange keinen Aufschluss darüber, mit welcher Berechtigung Barna eine derartige Forderung vorträgt. „Ich habe nicht so locker gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt sie selbst. Mehr als drei Stunden quälte sich Barna gegen die Australierin und am Ende auch gegen Krämpfe im Oberschenkel.

Der Streit mit dem DTB hingegen scheint langwieriger zu sein als ein paar Krämpfe. Barna sagt, die Summe von 25000 Euro sei „einfach ein Angebot“ gewesen, der Verband aber habe es „nicht mal für nötig gehalten, darauf zu reagieren“. Nie habe sie etwas gefordert, erst jetzt, da sie die Nummer eins in Deutschland sei. „Ich bin viele Jahre in Vorleistung getreten“, sagt Barna. „Ich finde, es steht mir zu, dass ich auch mal etwas zurückbekomme.“ Auslöser für den Streit war eine Wildcard für das Turnier in Leipzig im vergangenen Herbst. Barna hatte damit gerechnet, dass sie die Startberechtigung erhalten würde, woraufhin sie darauf verzichtete, sich für das Turnier in Schanghai anzumelden. Doch Eberhard vergab die Wildcard an die 18 Jahre alte Anna-Lena Groenefeld. Barna verpasste dadurch die Gelegenheit, wichtige Weltranglistenpunkte für die Olympia-Qualifikation zu verteidigen.

Die 26-Jährige fühlt sich von Eberhard „zurückgesetzt und übergangen“, wobei ihre Argumente nicht immer schlüssig sind. So klagt sie, sie habe erst aus der Zeitung erfahren, dass sie nicht für das Fedcup-Spiel vor eineinhalb Wochen in Frankreich nominiert sei. Da allerdings hatte sie längst erklärt, dass sie unter Eberhard nicht mehr spielen werde. Und über die mangelnde Unterstützung durch den DTB hat Barna schon vor dem Bruch mit dem Teamchef geklagt. Vor einem Jahr, bei den French Open, beschwerte sie sich darüber, dass sie die Bälle fürs Training selbst bezahlen müsse.

Im aktuellen Fall jedoch hat Barna ihre Verhandlungsposition offensichtlich überschätzt. Sie ist zwar die beste deutsche Spielerin – aber als Nummer 49 der Welt eben auch nicht gut genug, um dem Verband ihre Vorstellungen diktieren zu können wie früher Boris Becker und Michael Stich. Zudem gilt Anca Barna mit fast 27 Jahren nicht mehr als Zukunftshoffnung. In diese Rolle rückt immer mehr Anna-Lena Groenefeld, die heute gegen die Kroatin Karolina Sprem als dritte Deutsche nach Barna und Julia Schruff (6:1, 6:1 gegen Meilen Tu) in die zweite Runde der German Open einziehen kann (weitere Ansetzungen siehe Zahlen).

Noch aber kann das Fedcup-Team, das im Sommer gegen den Abstieg spielt, auf Barna eigentlich nicht verzichten. Grundsätzlich sei sie bereit, für Deutschland zu spielen, sagt Barna. Aber: „Es ist nicht meine Aufgabe, auf Klaus Eberhard zuzugehen.“ Eberhard sagt genau das Gleiche. Nur andersrum.

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