Sport : Mit Leichtigkeit ertragen

Die sportliche Führung von Mainz 05 sieht gut gelaunt dem Abstieg entgegen

Daniel Meuren[Mainz]

Nach dem Abpfiff zwischen Mainz 05 und Hannover 96 lagen über den gesamten Rasen des Bruchwegstadions verteilt enttäuschte Fußballer in rot-weißen Trikots. Mohamed Zidan, mit seinem 13. Saisontor Schütze des einzigen Mainzer Treffers bei der 1:2-Heimniederlage, versuchte, sich in den Grashalmen zu verstecken. Es gelang dem kleinen Ägypter trotz seiner zarten Figur nicht ganz. Stürmer Ranisav Jovanovic starrte fassungslos auf die Torlatte, von der aus sich in der dritten Minute der Nachspielzeit nach seinem Kopfball die letzte Hoffnung der Mainzer auf den Ausgleich hinter das Tornetz verabschiedet hatte. Für die niedergeschlagenen Spieler schien damit das Kapitel Bundesliga Geschichte zu sein, ehe sie von den Ergebnissen auf den anderen abstiegskampfrelevanten Plätzen, ihren Fans und den Vorgesetzten eines Besseren belehrt wurden.

Die trotz der misslichen Lage prächtig gestimmten Anhänger forderten kühn einen nun notwendigen „Auswärtssieg“ beim Meisterschaftsanwärter VfB Stuttgart. Die Vereinsführung hob ebenfalls die wenigen Gründe zur Hoffnung hervor, statt über Ursachen für die berechtigte Niederlage und die fast ausweglose Situation nachzudenken. Solche Gedanken hätten in der Analyse des vorangegangenen Kicks vor 20 300 Zuschauern am ausverkauften Bruchweg ergeben, dass der Mainzer Kader schlicht zu dünn besetzt ist, um nach dem bemerkenswerten Start in die Rückrunde Formschwankungen oder Ausfälle der wenigen Leistungsträger aufzufangen. So fehlte beispielsweise der wegen der fünften Gelben Karte gesperrte Däne Leon Andreasen im zentralen Mittelfeld, von wo aus die nun auf eine UI-Cup-Qualifikation hoffenden Hannoveraner sowohl den Führungstreffer durch Arnold Bruggink als auch das 2:0 durch Chavdar Yankov mit mustergültigen Pässen in den Rücken der Abwehr vorbereiteten.

Statt der Arbeit an der Schadensbilanz widmeten sich die Mainzer dem Blick nach vorne. „Wir haben natürlich einen Big Point vergeben, aber dank der anderen Resultate bleiben wir im Geschäft“, sagte Manager Christian Heidel. Dabei hatte der sportliche Leiter ein Lächeln auf den Lippen, das nicht einmal gezwungen aussah. Trotz der prekären Lage bewahren sie in Mainz die Contenance. Fast scheint es so, als ob sie sich im Klub in der Vergangenheit eine wahre Freude an ausweglosen Lagen antrainiert hätten. „Wir haben in meinen 17 Jahren als Spieler und Trainer hier schon so viele ähnliche Situationen in Abstiegskämpfen mitgemacht, dass wir problemlos immer noch unsere Chancen erkennen“, sagte Trainer Jürgen Klopp.

Falls die Bundesliga-Episode FSV Mainz 05 dann doch in Kürze beendet sein sollte, dann wollen sich die Rheinhessen von der Bundesliga aber offensichtlich genauso verabschieden, wie sie sich in den vergangenen drei Jahren präsentiert haben: mit Leichtigkeit. Gut gelaunt präsentierte sich der Klub vom Vereinspräsidenten („Warum sollte ich schlecht drauf sein?“) über den Trainer („Die Zweite Liga ist nicht die Hölle!“) bis hin zu den Fans. Das haben nicht viele Absteiger vor den Mainzern geschafft.

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