• Mit links auf rechts drei stehen lassen Arjen Robben fegt über die deutsche Abwehr hinweg

Sport : Mit links auf rechts drei stehen lassen Arjen Robben fegt über die deutsche Abwehr hinweg

Stefan Hermanns

Rotterdam - Es darf als gesicherte Tatsache gelten, dass Oliver Kahn, allen gegenteiligen Eindrücken zum Trotz, recht zufrieden mit der Wahl seines Berufes ist. Trotzdem musste sich der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch von einem Fernsehreporter fragen lassen, ob er froh sei, Torhüter geworden zu sein und nicht linker Verteidiger. Das hatte nichts mit Kahns Leistung zu tun. Der Mann vom Fernsehen fragte jeden greifbaren deutschen Nationalspieler, ob er froh sei, nicht linker Verteidiger geworden zu sein. Alle bis auf Bernd Schneider. Der ist zwar auch kein linker Verteidiger, musste aber gegen Holland linker Verteidiger spielen und sah sich dadurch dem Ereignis Arjen Robben ausgeliefert.

Das war a) nicht unbedingt zu erwarten gewesen, weil Robben als Linksfuß normalerweise auf der linken Seite spielt; und b) alles andere als ein Vergnügen. „Der ist ein guter Dribbler“, sagte Torsten Frings. „Den musst du versuchen zu doppeln.“ Doch selbst zwei Mann reichten an diesem Abend für den überragenden Robben nicht aus. Einmal, Mitte der zweiten Halbzeit, tunnelte er zunächst Schneider, schüttelte anschließend Frings ab und umspielte im deutschen Strafraum auch noch Christian Wörns. „Wir waren ein bisschen überfordert“, sagte Innenverteidiger Per Mertesacker.

Nicht nur, weil er beide Tore für die Holländer erzielte, machte der Außenstürmer des FC Chelsea an diesem Abend den Unterschied aus. „Wenn er so spielt, ist er fast unspielbar“, sagte Dietmar Hamann, der Robben aus der Premier League kennt. Während die deutschen Stürmer Miroslav Klose und Kevin Kuranyi den Ball meist schon verloren hatten, ehe sie ihn unter Kontrolle bekamen, verfügte Robben selbst bei Höchsttempo über einen exquisiten Umgang mit dem Ball. Wie eine Naturgewalt rauschte er über die deutsche Verteidigung hinweg. Hollands Trainer Marco van Basten hatte noch zusätzliche Verwirrung gestiftet, indem er den Linksaußen auf die vermeintlich falsche Seite, die rechte, gestellt hatte. „Das war ein kluger Schachzug“, sagte Mertesacker. „Er ist immer nach innen gezogen, damit er zum Abschluss kommt.“

Es mag den Deutschen ein Trost sein, dass Robben auch aus der technisch starken holländischen Mannschaft noch deutlich hervorsticht. Er ist zurzeit die überragende Begabung des holländischen Fußballs, und dass er gerade 21 ist, lässt für die Zukunft einiges erwarten, zumal Robben jegliche Überheblichkeit fremd ist. Ob er sich angesichts seines jugendlichen Alters manchmal im Traum ausmale, wo das alles noch enden könne, wurde er nach seinem grandiosen Auftritt gefragt. Ach, antwortete Arjen Robben, „man muss da realistisch bleiben. Es gibt mit Sicherheit noch stärkere Gegner als Deutschland.“

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