Sport : Mit Lust die Last abgeschüttelt

Bochum überrascht sich gegen Wolfsburg selbst

Richard Leipold

Bochum - Felix Magath mag darunter gelitten haben, wie viele Fehler seine Profis in einer einzigen Halbzeit gemacht haben. Das Publikum im Bochumer Stadion aber erfreute sich an großen und kleinen Mängeln, die eine für Bundesligaspiele ungewöhnliche Fülle von Treffern ermöglichten. Beim 5:3 des VfL Bochum über den VfL Wolfsburg ließen die Zuschauer sich von Toren berieseln, ohne sich groß um das Niveau zu scheren.

Magath, der Wolfsburger Trainer, quittierte das Ergebnis mit beißendem Spott: „Wir haben die Zuschauer sehr gut unterhalten und unseren Teil zu einem Superspiel beigetragen.“ Schon zur Pause führte der westfälische VfL 4:0. Und Magath grollte, dass seine Spieler die Aufgabe „nicht richtig eingeschätzt“ hätten, vor allem hätten sie „nicht gewusst, dass der VfL Bochum ums Überleben kämpft“. Auf Bochums Mannschaft lastete eine Serie von neun Pflichtspielen ohne Sieg. 45 Minuten lang befreiten sie sich mit Lust von ihrer Last.

Magath vermutete später, seine Spieler seien „mit ihren Gedanken wohl schon in der Champions League gewesen“. Dieser Vorwurf geht zurück auf eine Bemerkung von Marcelinho, der behauptet hatte, Wolfsburg könne in dieser Saison die Champions League erreichen.

Ein Doppelschlag der Gäste ließ zu Beginn der zweiten Hälfte Zweifel aufkommen, ob Bochums Vorsprung reichen würde. Letztlich beantwortete Joel Epalle die Frage mit dem fünften Tor für die Heimelf, Grafite verringerte den Abstand nochmals. Die zweite Hälfte habe den Fans die Spannung erhalten, sagte Bochums Coach Marcel Koller, „aber ich als Trainer hätte es gern ein wenig ruhiger gehabt“.

Wenig zu bemängeln gab es an der Leistung des Bochumer Torhüters Rene Renno. Beim dritten Gegentor machte er keine gute Figur, sonst hielt er solide. Renno ist im Normalfall nur die Nummer drei im Tor des VfL Bochum. Jetzt gab er mit 28 Jahren seinen Einstand in der Ersten Liga. Erstmals mitgespielt und dann auch noch gewonnen zu haben, sei für ihn „die Erfüllung eines Kindheitstraumes“, sagte Renno. „Da ist es mir auch egal, dass ich drei Gegentore kassiert habe.“ Stammtorwart Lastuvka hatte kurz vor dem Anpfiff wegen Rückenschmerzen passen müssen. Philipp Herwagen, die Nummer zwei, war beim Renovieren einer Wohnung auf einen Sack mit Glasscherben gefallen und hatte Schnittwunden an der Hand erlitten. Richard Leipold

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