Sport : Mit mehr Respekt nach Berlin

Handball-Tabellenführer THW Kiel tritt heute gegen die Füchse an

Erik Eggers[Kiel]

Dieser eine Moment, sagt Dominik Klein, „wird immer bleiben“. Dieser flüchtige Augenblick am 19. Januar 2007, als der 24-Jährige „mit Tunnelblick“ mit der Handball-Nationalmannschaft einlief in die tosende und Fahnen schwenkende Max-Schmeling-Halle, um die Weltmeisterschaft gegen Brasilien zu eröffnen. Immer noch leuchten die Augen des Linksaußen, wenn er davon erzählt – es war einer der Höhepunkte in seiner noch jungen Karriere. Und natürlich freut sich Klein nun, wenn er diese Stätte heute beim Auswärtsspiel des THW Kiel bei den Füchsen Berlin wieder betreten darf, rund 15 Monate später. In dieser Zeit hat Klein sage und schreibe sieben Titel gewonnen, die Weltmeisterschaft mit der Nationalmannschaft, den Supercup, die Champions Trophy, zweimal den DHB-Pokal, eine Deutsche Meisterschaft und die Champions League mit dem THW Kiel. So viele Trophäen gewinnt manch anderer Handballprofi nicht in seiner ganzen Karriere, und doch hebt der 65-fache Nationalspieler keineswegs ab. „Das ist ein ganz schweres Auswärtsspiel“, sagt Klein mit ernstem Blick. „Die Füchse haben sich sehr verstärkt und haben eine gute Mannschaft.“

Dass der THW Kiel Favorit ist, steht allerdings außer Frage. Der Rekordmeister stellt auch in diesem Jahr unter Beweis, dass er sich in den entscheidenden Momenten erheblich steigern kann: In der Rückrunde gab der Titelverteidiger in der Liga nur einen Punkt ab (beim 36:36 in Hamburg) und gewann den nationalen Pokal (ebenfalls gegen den HSV). Im Champions League-Halbfinale hatte der ruhmreiche FC Barcelona, an dem der THW dreimal gescheitert war, diesmal nicht den Hauch einer Chance. Ein Grund, warum Kiel auch im Finale der Champions League gegen den spanischen Meister Ciudad Real (4. und 11. Mai) als Favorit gilt.

Der Gewinn der 14. Deutschen Meisterschaft führt für die „Zebras“ nach dem Spiel bei den Füchsen noch über Nordhorn (H), Göppingen (A) und Wetzlar (H), während Verfolger SG Flensburg-Handewitt noch nach Großwallstadt, Magdeburg und zu den Rhein-Neckar Löwen reisen muss. THW-Manager Uwe Schwenker sagt: „Es geht in jedem Spiel um alles.“

Dass es der umtriebige Füchse-Manager Bob Hanning geschafft hat, aus einem darbenden Zweitligaklub einen starken Aufsteiger zu bauen, findet in Kiel große Anerkennung. „Das hat Bob Hanning gut angeschoben“, lobt Schwenker, der aber gleichzeitig weiß, welch Herkulesaufgabe es ist, in einer Großstadt wie Berlin langfristig erfolgreich zu arbeiten: „Auf Dauer hat man nur eine Chance, wenn man in der Spitze mitspielt. Ich bin gespannt, ob das klappt.“ Schwenker spricht aus Erfahrung, als Spieler hat er den tiefen Sturz der Reinickendorfer Füchse in den 80er Jahren selbst miterlebt; das letzte Auswärtsspiel dieser Ära gewannen damals die Kieler am 31. Mai 1986 mit 24:17 – vor 140 (!) Zuschauern in der Charlottenburger Sporthalle.

THW-Coach Noka Serdarusic hatte damals bereits seine Karriere beendet, nachdem er drei Jahre in Berlin gespielt hatte. Insofern ist es für den 57-jährigen Erfolgstrainer eine Reise in die eigene Vergangenheit. Eine besondere Beziehung zum Klub habe er aber nicht mehr, „das war damals eine andere Halle, eine andere Mannschaft und ein ganz anderes Umfeld“. Doch Berlin, bekennt er, „ist für mich eine der schönsten Städte der Welt“.

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