Sport : Mit Mut und Manndeckung

Augsburg trotzt auch Meister Dortmund einen Punkt ab und gibt sich selbstbewusst im Abstiegskampf.

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Augsburg kann auch offensiv. Stürmer Stephan Hain taucht vor dem Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller auf. Foto: dpa
Augsburg kann auch offensiv. Stürmer Stephan Hain taucht vor dem Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller auf. Foto: dpaFoto: dpa

Andreas Rettig war zu Scherzen aufgelegt nach dem 0:0 gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Eine ganze Lkw-Ladung Würstchen“, verlangte der Manager des FC Augsburg von FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen der Schützenhilfe für die Münchner im Meisterschaftskampf. Und obwohl Trainer Jos Luhukay nach dem Punktgewinn mit einem beseelten Lächeln unter dem mächtigen Oberlippenbart durch die Katakomben der Arena schritt, wollte er diesen Spaß nicht so recht mitmachen. Stattdessen lenkte er den Fokus wieder auf sein Team. „Warum sollte ich etwas verlangen“, sagte Luhukay, „wichtig ist, dass meine Mannschaft mit Selbstvertrauen auftritt.“

Der Verein befindet sich derzeit in der Tat klar im Aufwärtstrend: Das 0:0 gegen den Deutschen Meister und Tabellenführer war das dritte Heimspiel in Folge, in dem Augsburg keinen Gegentreffer kassierte. In acht Spielen seit der Winterpause holte Augsburg acht Punkte, nur zwei Partien in Freiburg und Leverkusen gingen verloren. Die Belohnung dafür war nach dem Spiel gegen den BVB in der Tabelle abzulesen: Augsburg rückte vom Relegationsplatz an Hertha BSC vorbei auf den 15. Rang. „Wir glauben an uns und die echte Chance auf den Klassenerhalt, den uns viele nicht zugetraut haben“, sagte Regisseur Daniel Baier.

Es gibt inzwischen sogar noch andere, die dem zu Saisonbeginn belächelten Aufsteiger einiges zutrauen. BVB-Trainer Jürgen Klopp, der mit seinem Team Augsburg in der Hinrunde noch mit 4:0 nach Hause geschickt hatte, bescheinigte schon vor Anpfiff, dass sich in Augsburg „richtig was entwickelt“ habe. Nach der Begegnung gratulierte er dann zum „verdienten“ Punktgewinn: „Augsburg hat sehr gut gespielt und leidenschaftlich verteidigt.“ Eine kleine Gemeinheit steckte trotzdem in dem Kompliment, die „leidenschaftliche Verteidigung“ nämlich bestand vorwiegend aus antiquierter Manndeckung im zentralen Mittelfeld, was Klopp vorsichtig als „außergewöhnliche Maßnahme“ geißelte.

Jos Luhukay war die Kritik des Meistertrainers herzlich egal, er nahm sich nach dem Spiel reichlich Zeit, um seine Erfolgsstrategie zu erläutern – schon beim 3:0 gegen Hertha hatte er Regisseur Raffael von Jan-Ingwer Callsen-Bracker an die Kandare nehmen lassen. „Wir können solchen Spielern natürlich alle Freiheiten geben, dann haben die Zuschauer was zu genießen“, sagte Luhukay, „aber wir wollen ihnen ja die Spielfreude nehmen.“ Bei Shinji Kagawa klappte das ähnlich gut wie bei Raffael, Landsmann Hajime Hosogai stand dem Japaner derart auf den Füßen, dass der Dortmunder bis zur Halbzeit nur 13-mal den Ball berührte.

Luhukay wollte sich aber auch nicht auf die Manndeckung reduzieren lassen, selbstbewusst verwies er darauf, dass sein Team immer wieder „schnell offensiv umgeschaltet“ habe. Tatsächlich hatte der Trainer Stürmer Stephan Hain für den verletzten Mittelfeldabräumer Callsen-Bracker gebracht, in offensiver Grundausrichtung spielten die Augsburger oft mutig und frech. Gegen schwächere Gegner, hofft Luhukay, wird sein Team für diese Spielweise auch mit einem Tor belohnt werden – um im Rennen um den Klassenerhalt weiter Boden gutzumachen. Mit einem Vierkampf mit Freiburg, Kaiserslautern und Berlin rechnet der FCA-Trainer bis Saisonende. Da kann der eine Punkt gegen Dortmund noch „richtig wertvoll werden“, sagte Kapitän Paul Verhaegh.

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