Sport : Mit neuem Schwung

Golfer Bernhard Langer spielt bei den British Open und will Ryder-Cup-Kapitän werden

Thomas Lötz

Sandwich. So etwas passiert Bernhard Langer auch nicht alle Tage. Gestern sollte der 45-Jährige um 10.30 Uhr auf seine letzte Trainingsrunde bei den British Open gehen. Kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt standen seine Spielpartner, der US-Amerikaner Luke Donald und die beiden Briten Paul Wesselingh und Anthony Sproston, auf dem Abschlag zur ersten Spielbahn. Wer fehlte, war Bernhard Langer. Da keiner über den Verbleib des zweimaligen US-Masters-Sieger aus Deutschland Bescheid wusste, wurde abgeschlagen. Doch als die drei auf dem 442 Yards langen Par-4-Loch bereits beim Putten waren, kam Bernhard Langer in Begleitung seines Caddies Peter Coleman eiligen Schrittes das Fairway hinunter. Jenes 62-Jährigen, mit dem er seit 1981 zusammenarbeitet. „In so einer Partnerschaft müssen beide zufrieden sein“, sagt Langer, und da das offensichtlich nicht mehr der Fall ist, dürfte der künftige Taschenträger wohl Russ Holden heißen, Langers amerikanischer Freund.

Für seine Profikollegen verkörpert Bernhard Langer gemeinhin klassisch deutsche Tugenden. Er sei gut organisiert und diszipliniert, urteilte der Weltranglistenerste Tiger Woods aus den USA zuletzt über Langer. Der gute Leumund dürfte Langer auch helfen, das nunmehr auch offiziell angestrebte Amt des Kapitäns für das europäische Ryder-Cup-Team zu bekommen. 2004 wird Cup-Verteidiger Europa in Oaklands Hills (Michigan) gegen die USA antreten. Mitte nächster Woche will das europäische Ryder-Cup- Komitee beschließen, wer den prestigeträchtigen Posten bekommen soll. Nach Langers Kenntnisstand heißen seine letzten Mitbewerber Ian Wosnam (Wales) und Sandy Lyle (Schottland).

Mit beiden Golfern spielt Langer von heute an bei den British Open, bei denen der Anhausener seit 1980 ununterbrochen dabei ist. Siebenmal konnte er sich am Ende unter den besten zehn platzieren, und am brillantesten trumpfte der Deutsche dann auf, wenn auf dem Links-Kurs in Royal St. George’s gespielt wurde. Jenem Platz also, auf dem die Open ab in dieser Saison erneut ausgetragen werden.

„Royal St. George’s war immer ein guter und erfolgreicher Platz für mich“, sagt Langer. Dreimal hat er im Rahmen einer Open hier an der Südostküste Englands zwischen Dover und Ramsgate teilgenommen, und kein schlechteres Resultat als ein geteilter dritter Platz sprang dabei für ihn heraus. Ein Sieg beim ältesten aller vier Majorturniere indes auch nicht.

In den Geschichten über die Open, die dieser Tage in Großbritannien massenweise veröffentlicht werden, wird gern noch einmal Langers tragisches Ende bei der 93er-Ausgabe der Open in Royal St. George’s beschrieben . Da war er auf der Schlussrunde bis auf zwei Schläge an den wie entfesselnd spielenden Australier Greg Norman herangekommen, als es auf Loch 14 ging. Dort, wo jener finale Abschnitt des Links-Platzes beginnt, dessen fünf Spielbahnen vom Fachmagazin „Golf World“ gerade erst als „Killer-Löcher“ bezeichnet worden sind. Langer ging beim Abschlag volles Risiko ein, doch sein Ball landete außerhalb der Spielbahn – Strafschlag, Titel verspielt.

Viele sagen, die Erfahrung werde auf dem Platz in Royal St. George’s bei der Vergabe des diesjährigen Titels mitentscheidend sein. Dennoch schätzt Bernhard Langer seine Chancen in diesem Jahr trotz der Erfolge in den vergangenen Jahrzehnten nicht besonders hoch ein. „Damals war mein Selbstvertrauen groß, davon kann jetzt nicht unbedingt die Rede sein.“ Betrachtet man die laufende Saison, kann man ihm da nur beipflichten: Bei 16 Turnierstarts verpasste Langer die Finalrunden fünfmal, sein bester Platz und die einzige Top-25-Platzierung war ein geteilter 23. Rang bei den Smurfit Irish Open auf der europäischen Tour.

Zu schulden ist dies der vor zwei Monaten vorgenommenen Schwungumstellung, die vor allem den Rücken des Mittvierzigers schonen soll. Doch unterdessen trifft Langer die meisten Schläge schon wieder recht ordentlich. Geradezu bezeichnend ist seine Antwort auf die Frage, ob dieses Turnier ein bisschen zu früh für ihn komme: „Könnte sein.“ Könnte. Irgendwo in Bernhard Langer scheint die Hoffnung zu leben, er werde an seine guten Vorstellungen in Royal St. George’s anknüpfen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben