Sport : Mit offenem Herzen

Philip Zwiener tritt gegen seinen alten Klub Alba an – als Triers bester Spieler

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Berlin - Genugtuung? Philip Zwiener muss am Telefon einen Moment überlegen. „Was heißt Genugtuung? Ich hatte eine schöne Zeit in Berlin. Da ist kein Groll“, sagt der Basketballer der TBB Trier. „Ich bin einfach froh, dass wir Erfolg haben und Alba Respekt vor uns haben muss.“ Fünf Jahre spielte Zwiener für Alba Berlin. Fünf Jahre, in denen er über die Rolle des Reservisten nicht hinauskam. Heute kehrt Zwiener mit Trier zum Bundesligaspiel gegen Alba (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) zurück – als fünftbester Werfer der Bundesliga.

In Berlin setzte Trainer Luka Pavicevic Zwiener häufig gar nicht ein, in Trier steht der 25-Jährige rund 30 Minuten pro Partie auf dem Feld. Mit 15,6 Punkten im Schnitt für seinen neuen Klub erzielte Zwiener in den ersten acht Saisonspielen mehr Punkte als jeder andere Deutsche in der Liga. Mit fünf Siegen liegt Trier auf Rang fünf – und damit zwei Plätze vor den Berlinern, die allerdings drei Spiele weniger absolviert haben. Verantwortlich für den Erfolg des Klubs und Zwieners positive Entwicklung ist vor allen Dingen Trainer Henrik Rödl, der im Sommer nach 17 Jahren in Albas Diensten die Stadt verließ.

„Es tut gut, das Vertrauen des Trainers zu spüren und viel spielen zu dürfen“, sagt Zwiener. Das war bei Alba nicht der Fall: Pavicevic lobte Zwiener für seine Professionalität und seine Einstellung, spielen ließ er ihn aber nur wenig. „Ich habe öfter das Gespräch mit ihm gesucht, aber der Trainer ist der Boss – und er hat anders entschieden“, sagt Zwiener, der wegen seiner unregelmäßigen Einsätze auch seinen Platz im Nationalteam verlor. Trotzdem möchte der 2,01 Meter große Flügelspieler die fünf Jahre in Berlin nicht missen, auch wenn er jetzt oft gefragt wird, ob er den Sprung zu einem anderen Klub nicht zu spät gewagt habe. „Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mich bei Alba durchsetzen kann, wenn mir der Trainer vertraut“, sagt er über die Entscheidung, Berlin so lange treu zu bleiben.

In Trier hat es nicht lange gedauert, bis sich Zwiener zurechtgefunden hat: „Ich bin die letzten eineinhalb, zwei Jahre zwar kaum zum Einsatz gekommen, aber ich wusste ja trotzdem, dass ich Basketball spielen kann.“ Geholfen hat ihm dabei, dass Rödl in Oskar Faßler, Oliver Clay und Dragan Dojcin drei weitere Berliner mit nach Trier genommen hat. Auch Shooting Guard Faßler ist beim TBB aufgeblüht, Dojcin gibt den gewohnt verlässlichen Arbeiter, Clay kommt als Rollenspieler auf acht Minuten Spielzeit pro Begegnung. „Es hilft, wenn man jemanden hat, mit dem man quatschen kann und den man mag“, sagt Zwiener über die Alba-Spieler in Trier. „Aber wir sind hier auch alle mit offenem Herzen angekommen.“

Alle ehemaligen Berliner im weiß-grünen Trierer Trikot werden heute auf ihren Einsatz in der Großarena brennen, unter deren Hallendach Rödls Trikot mit der Nummer 4 hängt. Obwohl er es lange versucht hat, wird Zwieners Nummer 7 ihren Weg wohl nicht mehr in Albas Ruhmeshalle finden. In Trier trägt er jetzt die Nummer 8 – für Philip Zwiener hat in diesem Sommer eben in vielerlei Hinsicht eine neue Zeit begonnen.

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