Sport : Mit Pferdelunge, Wahnsinn und Bauchschmerzen: Unsere Elf des Turniers

TOR

Gianluigi Buffon

Zugegeben: Spaniens Iker Casillas hat weniger Tore im Turnier hinnehmen müssen, Portugals Rui Patricio hat mehr Schüsse abgewehrt. Was für den Italiener spricht, ist seine Ausstrahlung. Vor dem Elfmeterschießen gegen England lächelte er tiefenentspannt vor sich hin, gegen die Deutschen schmetterte er die Nationalhymnne inbrünstig mit geschlossenen Augen. Vor der EM wurde bekannt, dass der 34-Jährige zur Spielsucht neigt. Der viermalige Welttorhüter scheint tatsächlich süchtig zu sein: nach Fußball, und nach dem nächsten Titel. lsp

ABWEHR

Jordi Alba

Seine Belohnung für ein starkes Turnier hat Jordi Alba schon bekommen. Der 22-Jährige wechselt vom FC Valencia „zurück nach Hause“, wie er sagt, zum FC Barcelona. Er stammt aus L’Hospitalet de Llobregat, einem Vorort von Barcelona. Bei Barça durchlief er die Jugendabteilung, wurde aber mit 16 Jahren vor die Tür gesetzt, Valencia holte ihn später aus der Vierten Liga. Bei der EM überzeugte der Linksverteidiger als belebendes Element im statischen Spiel der Spanier. sst

Mats Hummels

Was macht man mit jemandem, der in Sachen Spieleröffnung und Zweikampfstärke ein Turnier auf Weltklasseniveau abliefert, gleichzeitig aber durch zwei amateurhafte Aussetzer zwei Gegentore (durch Balotelli und – fast schon vergessen – van Persie) verschuldet? Man diskutiert sich die Köpfe heiß und steckt ihn dann doch in die „Elf des Turniers“. Mit Bauchschmerzen. lsp

Pepe

Wie drückte es noch Wayne Rooney aus: „Pepe – was für ein Idiot.“ Das war nach dem Tritt Pepes auf Lionel Messis Hand im Clasico. Während der EM zeigte der Portugiese hingegen, dass er sich auch auf weniger brachiale Art Respekt verschaffen kann. Pepe blockte, klärte und gewann seine Zweikämpfe. Er war Portugals Abwehrturm – und das vor allem fair. rul

Mathieu Debuchy

Neben Franck Ribéry gehörte Debuchy noch zu den wenigen großen Lichtblicken bei Frankreichs espritlosem Viertelfinalaus gegen Spanien. Schon in den vorherigen Auftritten hatte der Defensivmann vom OSC Lille durch Lauf- und Zweikampfstärke geglänzt und über außen immer wieder für Gefahr gesorgt. rul

MITTELFELD

Sami Khedira

Hätten die Schiedsrichter nicht abgepfiffen, Khedira wäre wahrscheinlich einfach bis tief in die Nacht durchgerannt. Der Mittelfeldspieler pflügte mit einer Pferdelunge über die Plätze, steuerte das Aufbauspiel, gewann die Zweikämpfe, schleppte seinen maladen Kollegen Bastian Schweinsteiger mit durch und erzielte ganz nebenbei noch einen der schönsten Treffer des Turniers (2:1 gegen Griechenland). War vor der EM noch über seinen Startelf-Platz diskutiert worden, so entwickelte sich Khedira während der EM zur unangreifbaren und zentralen Figur des deutschen Teams. rul

Xabi Alonso

Xabi Alonso ist an der spanischen Atlantikküste aufgewachsen. Dort regnet es oft, Wind peitscht über das Meer. Raues Klima, raue Sitten. Fußball wird im Norden mehr gearbeitet als gespielt, eine Grätsche wird dort im Gegensatz zum Rest des Landes mit Jubel bedacht. Es gibt wohl keinen Spieler im spanischen Team, der Eleganz und Athletik so sehr vereint wie der Baske. Dazu ist Xabi Alonso auch torgefährlich: Im Viertelfinale gegen Frankreich erzielte er beim 2:0 beide Tore. sst

Andrea Pirlo

Andrea Pirlo gehört zur verschwindenden Spezies der bestimmenden Spielmacher. Schon vor seinem Elfmeterchip gegen England ist er für seine Pässe genauso bestaunt worden wie eh und je, seinetwegen wich Deutschland im Halbfinale sogar von der Bestimmer-Taktik ab. Der scheinbar regungslose Pirlo ist 33 Jahre alt, lange wird es den Spielmacher in dieser Funktion nicht mehr geben. klapp

Andres Iniesta

Die Szene hätte aus der Feder eines Comiczeichners stammen können. Fünf Italiener umringen Andres Iniesta, sie wollen ihm sein Liebstes nehmen: den Ball. Aber Iniesta spielt ihn einfach weiter und entschwindet seinen Häschern. Zack! Das Foto der Aktion ging um die Welt. Zum ersten Mal blieb Iniesta bei einem großen Turnier schmerzfrei, sein Spiel wirkte noch leichtfüßiger als vor zwei Jahren bei der WM. Damals traf er im Finale gegen die Niederlande zum Sieg. sst

Cristiano Ronaldo

Man kann ihn hassen, man kann ihn auslachen, man kann ihn anhimmeln. Vor allen Dingen muss man aber anerkennen, dass Cristiano Ronaldo auch im Nationaltrikot ein einzigartiger Fußballer ist, der Portugals Offensive allzu oft ganz alleine schulterte. lsp

ANGRIFF

Mario Balotelli

Wie schön, dass es noch Wahnsinnige im Fußball gibt. Wie schade, dass der Wahnsinnige das Genie in sich ausgerechnet im Halbfinale gegen die deutsche Mannschaft herauskramen musste und zwei Tore erzielte. lsp

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