Sport : Mit Picke ins Finale

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Saitama (Tsp). Wenn Kinder anfangen, Fußball zu spielen, gibt ihnen der Trainer als einen der ersten Merksätze mit, dass sie den Ball nicht mit der Picke schießen sollen. Also nicht mit der Spitze des Fußes, sondern mit der Seite oder dem Spann. Ronaldo hat nicht zugehört. Zum Glück. Der brasilianische Stürmer schoss seine Mannschaft gestern mit Picke ins Finale. Mit dem unkonventionellen Kick überraschte er gleich drei türkische Gegenspieler und Torwart Rüstü. Das reichte: Nach einem 1:0-Sieg über die Türkei in Saitama steht der viermalige Weltmeister Brasilien im Finale von Yokohama gegen den dreimaligen Weltmeister Deutschland. Es ist das erste Mal, dass beide Länder bei einer WM aufeinandertreffen. „Gegen Deutschland erwartet uns auch eine schwere Aufgabe“, sagte Brasiliens Trainer Luis Felipe Scolari.

Vor 61 058 Zuschauern gelang Ronaldo sein sechster Treffer bei dieser WM. Damit stärkt er seinen Anspruch auf den Titel des besten Torjägers, nachdem Teamkollege Rivaldo (fünf Tore) erstmals bei einem Spiel des Turniers in Südkorea und Japan leer ausging. „Ich würde auf mich als Torschützenkönig wetten“, hatte Ronaldo schon vor der WM gesagt. Und das, obwohl er lange verletzt gewesen war und seine Form vor dem Turnier unklar war.

Der Sieg der Brasilianer war verdient, obwohl der Außenseiter aus der Türkei sich sehr gut verkauft hatte. Nach einer Phase, in der sich beide Mannschaften beobachteten und nicht allzu viel wagten, übernahmen nach rund zwanzig Minuten die Brasilianer die Initiative. In ihrer Anfangsformation stand Edilson für den gesperrten Ronaldinho. Cafu hatte die erste Chance für den Favoriten, bevor Rivaldo einen Schuss abgab, den Rüstü nur abklatschen konnte. Doch der starke türkische Torwart klärte auch gegen den heranstürmenden Ronaldo. Die schnellen Angriffe der Brasilianer stellten die türkische Abwehr vor einige Probleme.

Der Außenseiter versuchte nun, die Defensivabteilung der Brasilianer unter Druck zu setzen. Doch über die Strafraumgrenze kamen die Türken meist nicht hinaus, weil der abschließende Pass in die Sturmspitze zu unkonzentriert gespielt wurde. Lediglich ein Kopfball von Alpay in der Anfangsphase und ein Freistoß aus 20 Metern durch Emre Belözoglu brachten die Abwehr um den Leverkusener Lucio in Schwierigkeiten.

Bis zur Halbzeit rettete Torhüter Rüstü den Türken bei weiteren Chancen von Rivaldo, Roberto Carlos und Edilson das torlose Unentschieden. Beim 1:0 durch Ronaldo durch einen Flachschuss aus spitzem Winkel machte Rüstü wie auch seine Vorderleute jedoch einmal keine gute Figur.

Bei den folgenden Angriffen der Türken blieben die Brasilianer souverän. Sie kamen dadurch zu Kontern, verpassten jedoch die frühe Vorentscheidung. Die Türken wurden nun noch offensiver, doch es blieb bei einer Möglichkeit des erneut unglücklich spielenden Hakan Sükür. Trainer Senol Günes sagte: „Ich bin stolz, dass wir bei dieser WM so weit gekommen sind. Aber ich bin traurig, dass wir dem türkischen Volk nicht noch einmal Glück schenken durften.“ Neben Rivaldo und Kapitän Cafu, der als erster Fußballer zum dritten Mal in einem WM-Finale spielen wird, verdiente sich Roberto Carlos bei den Brasilianern die beste Note.

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