Sport : Mit Politik nach Peking

Bundespräsident Köhler verabschiedet Athleten

Friedhard Teuffel

Berlin - Was ist eigentlich Horst Köhler? Ein Glückwünscher? Ein Daumendrücker? Ein Reisevorbereiter? Von allem ein bisschen steckte in seiner kurzen Ansprache gestern vor dem Schloss Bellevue, als er 50 deutsche Olympiateilnehmer, darunter auch behinderte Athleten der Paralympics, nach Peking verabschiedete. „Ganz Deutschland drückt Ihnen die Daumen, dass Sie erreichen, was Sie sich vorgenommen haben. Wir freuen uns mit Ihnen“, sagte Köhler. Äußerlich gehörte der Bundespräsident gestern für eine Stunde zum Olympiateam, nachdem ihm Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, die offizielle Team-Trainingsjacke übergezogen hatte. So wurden die anschließenden Kurzkontakte mit den Athleten zur kleinen Teambesprechung.

Ein bisschen politisch ging es dann aber auch noch zu. „Sie als Sportler mögen etwas darunter gelitten haben, dass sich die Diskussion in den vergangenen Wochen um Menschenrechte und Politik drehte“, sagte der Bundespräsident, „trotzdem ist es gut, dass der Sport auf diesem Wege auch politische Diskussionen befördert.“

Kathrin Boron schien nicht darunter gelitten zu haben. Sie nahm Köhlers gute Wünsche stellvertretend für die Olympia-Athleten an. Viermal ruderte sie bislang bei Olympischen Spielen mit – viermal gewann sie die Goldmedaille. „Wir werden uns neben unseren sportlichen Zielen für Menschlichkeit, Fairplay und Teamgeist einsetzen“, sagte sie. Am rechten Handgelenk trug Boron noch ein politisches Statement. Es waren zwei bunte Armbändchen aus Plastik mit der Aufschrift „Sports for human rights“. Wollte sie eins davon vielleicht gestern verschenken? „Nein, ich trage immer zwei davon“, sagte Boron. Auf der olympischen Ruderstrecke wird sie keins davon tragen dürfen. Friedhard Teuffel

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