Sport : Mit Psychologie ins Halbfinale?

Hanspeter Detmer

Noch wirkt bei der deutschen Hockey-Nationalmannschaft das Trauma von Sydney. Im letzten Vorrundenspiel beim Olympischen Turnier 2000 hätte gegen Großbritannien ein Unentschieden zum Einzug ins Halbfinale gereicht. Doch ein völlig indisponiertes deutsches Team unterlag, und aus war der Traum vom olympischen Medaillengewinn.

"Diese Niederlage war eine Kopfsache", sagt der Sportpsychologe Lothar Linz. Seit Beginn der Ära des neuen Bundestrainers Bernhard Peters betreut er die deutschen Nationalspieler. Die Bilanz liest sich gut. Seit Januar 2001 siegte Deutschland in 35 von 38 Länderspielen, gewann im vergangenen Jahr die WM-Generalprobe in Kuala Lumpur ebenso souverän wie die Champions Trophy in Rotterdam. Das brachte den Deutschen die Favoritenrolle für die Weltmeisterschaft in der malayischen Hauptstadt ein. Doch dann kam am Mittwoch das dritte Vorrundenspiel gegen Spanien. Deutschland verlor 2:3 und muss nun sogar um die Teilnahme am Halbfinale bangen. In den letzten Vorrundenspielen heute gegen Neuseeland, morgen gegen die Niederlande und am Dienstag gegen Pakistan geht es schon um alles oder nichts. Der Psychologe ist gefragt.

"Dass nicht alles nach Wunsch laufen würde, mussten wir erwarten", sagt Lothar Linz. "Jetzt müssen wir vernünftig mit der Situation umgehen." Damit tun sich die Deutschen noch schwer. Der 3:0-Sieg über die international zweitklassigen Belgier weckte jedenfalls keine Erinnerungen an die brillanten Vorstellungen bei der Champions Trophy in Rotterdam. Deutschlands Hockeyspieler stecken in einer verzwickten Situation. Schließlich muss der Verband Erfolge vorweisen, wenn er neue Sponsoren anheuern will, nachdem der momentane Trikotsponsor sein Engagement zum Ende dieses Jahres aufgekündigt hat. Kann man aus der Zwangslage heraus überhaupt noch befreit aufspielen? "Jede schwierige Situation ist sicherlich eine Gefahr, aber bietet auch eine Chance", sagt der Sportpsychologe Linz. "Wenn wir sagen: Wir müssen gewinnen, dann bringen wir uns in eine schlechte Situation. Viel wichtiger ist es, davon überzeugt zu sein, dass wir jeden Gegner schlagen können. Schließlich sind wir mit dieser Einstellung nach Kuala Lumpur geflogen."

Nun hat aber ausgerechnet der Stuttgarter Sascha Reinelt, der gegen Spanien die besten Chancen vergab, mit den Ratschlägen des Psychologen nicht viel am Hut. "Es ist schwer, den richtigen Zugang zu Sascha zu finden", sagt Linz. "Dabei würde ich ihm gerne helfen." Schon aus eigenem Interesse. Denn am Sonntag nach dem Spiel gegen die Niederlande wird nicht nur feststehen, wie es mit der deutschen Mannschaft in Kuala Lumpur weitergeht. Auch die Zukunft des Hockey-Psychologen Lothar Linz steht auf dem Spiel.

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