Sport : Mit Rekord zum Titel

Nach dem Sieg in Leverkusen kann Bayern schon Ostern Meister werden.

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Ein Fall für die Historie. Mario Gomez erzielte die Führung für die Bayern, die auf dem Weg zu einem neuen Rekord sind. Foto: dpa
Ein Fall für die Historie. Mario Gomez erzielte die Führung für die Bayern, die auf dem Weg zu einem neuen Rekord sind. Foto: dpaFoto: dpa

Leverkusen - Jupp Heynckes hatte wenig zu bemängeln. „Wir haben eine gute Reaktion gezeigt, das hat mir teilweise sehr gut gefallen“, sagte der Trainer des FC Bayern München nach dem 2:1 (1:0)-Sieg seines Teams in Leverkusen. Das war ein freundliches Urteil, in Wahrheit hatte der Bundesliga-Spitzenreiter vor 30 210 Zuschauern in der Leverkusener Arena nur in der ersten Halbzeit gut gespielt und nach der Pause abgebaut. Was Heynckes, ebenfalls großzügig, als „gut gekämpft“ wertete.

Aber warum sollte er seine Mannschaft auch kritisieren? Drei Punkte sind drei Punkte, außerdem hat den Part des bösen Mahners schon Klub-Präsident Uli Hoeneß übernommen, der den Bayern nach dem 0:2 gegen Arsenal in der Champions League vorgeworfen hatte, sie spielten seit Wochen „schönen Dreck“ zusammen. „Es ist sein Recht, seine Meinung zu sagen, wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte Heynckes lächelnd. Vielleicht hatte er vorher auch auf die aktuelle Tabelle geschaut. Die Münchner haben weiterhin 20 Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund.

Wenn alles gut läuft, können die Münchner schon am Osterwochenende ihren 23. Meistertitel perfekt machen. Sollte Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart nicht gewinnen, hätten die Bayern mit einem Sieg gegen den HSV schon sieben Spieltage vor Schluss den Titel sicher. Das wäre – natürlich – neuer Bundesligarekord. „Das ist mir wurscht“, sagte Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer. „Wir wissen, dass wir einen Vorsprung von 20 Punkten haben. Aber wir wissen auch, dass wir bei den Zielen, die wir in diesem Jahr haben, ein paar Dinge wieder besser machen müssen.“

Gegen Leverkusen profitierten die Bayern vor der Pause auch von der Zurückhaltung der Gastgeber: Sie spielten devot, trauten sich überhaupt nichts zu gegen das runderneuerte Münchner Team, in dem Rafinha, Jerome Boateng und Xherdan Shaqiri für Philipp Lahm, Daniel van Buyten und Thomas Müller zum Einsatz kamen. Zudem stürmte Mario Gomez anstelle von Mario Mandzukic.

Locker bestimmten die Münchner zunächst das Spiel, sie zogen ein paar hübsche Angriffe auf, bevor Gomez in wunderbarer Art das 1:0 erzielte. Shaqiri hatte an der Mittellinie auf den Nationalstürmer gepasst, der den Ball mit der Brust annahm, sich gegen Daniel Carvajal und Sebastian Boenisch durchsetzte – und aus etwa zwölf Metern vollendete. Kurz zuvor hatte Boenisch Bayerns Torhüter Manuel Neuer mit einen Schuss aus 20 Metern geprüft – es war die einzige Leverkusener Chance in den ersten 45 Minuten.

Die Gastgeber, die zuvor nur ein Heimspiel verloren hatten, wurden erst nach der Pause mutiger. Sidney Sam kam für den enttäuschenden André Schürrle, und er belebte die Offensive der Leverkusener. Das hing auch damit zusammen, dass die Bayern weitgehend den Betrieb einstellten. Es sah so aus, als trauten sie den braven Bayer-Profis nicht mehr viel zu – vor allem kein Tor. Sie erhielten die Quittung für die übertriebene Lässigkeit. Einen Eckball von Gonzalo Castro verlängerte Boenisch mit dem Kopf zu Simon Rolfes, der aus kurzer Distanz den Ausgleich erzielte.

Bayer blieb dominant, das Glück aber war auf Seiten der Gäste, denen kurz vor Schluss der Siegtreffer gelang. Nach einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger prallte der Ball an die Schulter des Leverkuseners Philipp Wollscheid – und von dort zum 1:2 ins Tor. „Der Ball wird drei Meter vor mir abgefälscht, das ist einfach sehr unglücklich“, sagte Wollscheid.

Am Ende gab es noch Neues zur Zukunft des offenbar zerstrittenen Leverkusener Trainergespanns. Laut Sportchef Rudi Völler wird Teamchef Sami Hyypiä dem Verein über die Saison hinaus erhalten bleiben. Noch nicht sicher ist dagegen, ob Trainer Sascha Lewandowski ebenfalls weitermachen will. Er sei sich nicht sicher und müsse sich die Sache überlegen, sagte der 41-Jährige, der anders als Hyypiä eine Trainerlizenz besitzt. Christiane Mitatselis

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