Sport : Mit Ruhe und Nowitzki

Deutsche Basketballer erreichen das EM-Viertelfinale: 66:57 gegen die Türkei

Benedikt Voigt[Vrsac]

In der 29. Minute schickte Mehmet Okur einen verzweifelten Blick zu seiner Bank. Der türkische Nationalspieler ist wahrlich kein schlechter Basketballer, er hat es bis in die NBA zu den Utah Jazz geschafft und er hatte gerade gegen Dirk Nowitzki alles richtig gemacht, was man als Verteidiger richtig machen kann. Er stand Nowitzki beinahe auf den Füßen, drückte ihm einen Ellbogen in die Magengrube und hielt den anderen Arm in den Wurfweg. Trotzdem warf der deutsche Nationalspieler den Ball über ihn hinweg in hohem Bogen in den Korb. Okur streckte die Handflächen weit von sich und blickte seinen Trainer an. Es sollte heißen: Was soll ich gegen diesen Spieler machen?

Mit einer weiteren Galavorstellung in der zweiten Halbzeit hat Dirk Nowitzki die deutsche Nationalmannschaft bei der Basketball-Europameisterschaft ins Viertelfinale geführt. Beim 66:57 (27:34) gegen die Türkei erzielte der NBA-Star von den Dallas Mavericks 33 Punkte und fing zehn Rebounds. „Das war heute fast übermenschlich, was er gemacht hat“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann. „Mit diesem Spieler können jedes Team und jeder Trainer nur gut aussehen.“ Seine Mannschaft spielt nun am Freitag gegen Slowenien um den Einzug ins Halbfinale. „Da sind wir der Außenseiter, aber diese Rolle liegt uns“, sagte Bauermann.

Die erste Hälfte ähnelte jener gegen Russland. Wieder hatten das deutsche Team in der Offensive große Probleme. Die Türken schickten nacheinander Kaya Peker und Emal Kurtoglu gegen Dirk Nowitzki ins Spiel, die den bisher besten Werfer des Turniers mit harter Spielweise und Fouls am Punkten hinderten. „Das war Freistilringen“, sagte Roland Geggus, der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes. So erzielte Nowitzki sechs seiner zehn Punkte aus Freiwürfen. Was die deutsche Mannschaft aber noch schwerer traf: Eineinhalb Minuten vor der Pause beging Nowitzki sein drittes Foul und musste ausgewechselt werden.

Im zweiten Viertel hatten sich die Türken erstmals eine größere Führung erspielt: 31:19. Bis zur Pause liefen die Deutschen dem Rückstand nach. „Da kam das Schweden-Trauma wieder hoch“, sagte Geggus. Vor zwei Jahren war die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft in Schweden im Überkreuzspiel um den Einzug ins Viertelfinale an Italien gescheitert. Doch Bauermann erinnerte seine zwölf Spieler daran, dass sie am Sonntag gegen Russland (51:50) zur Pause noch höher zurückgelegen hatten.

Die zweite Halbzeit gehörte dann dem foulbelasteten Dirk Nowitzki und der intensiven Verteidigung des deutschen Teams. „Dirk ist trotz der überharten Spielweise ruhig geblieben und hat die Türken dafür bestraft“, sagte Bauermann. Mit jenem Dreipunktewurf, der Okur zur Verzweiflung brachte, ging das deutsche Team erstmals vor dem abschließenden Viertel in Führung: 48:46 (29. Minute). Eine anschließende 14:2-Serie verhalf der deutschen Mannschaft zu einer Führung, die bis zum Ende Bestand hatte.

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