Sport : Mit sächsischer Herzlichkeit

Leipzigs Bewerbung für Olympia 2012 hat gute Chancen

Ralf Hübner

Leipzig. Was sollte Dieter Graf Landsberg-Velen denn sagen? Schließlich mochte er nicht als phantasielos gelten, als er sein Urteil über die Bewerbung Leipzigs für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 abgab. Das Konzept Leipzigs sei großartig und in sich schlüssig. So oder so ähnlich hatte sich der Chef der elfköpfigen NOK-Bewertungskommission auch in den vier anderen Bewerberstädten geäußert. Keinesfalls sollte der Eindruck entstehen, als gäbe es bereits einen Geheimfavoriten für den 12. April 2003, wenn die Mitgliederversammlung des NOK in München die Entscheidung über die deutsche Bewerbung treffen wird. Für Leipzig, das gab er dennoch zu verstehen, sei „die Begeisterung der Bevölkerung von besonderer Bedeutung“. Leipzigs Bürgermeister Wolfgang Tiefensee sieht das auch so. Er will das NOK und das IOC mit sächsischer Herzlichkeit für seine Stadt gewinnen.

Rückenwind erfährt die Leipziger Bewerbung von Anbeginn durch die sächsische Landespolitik. Vor allem Ministerpräsident Georg Milbradt schaut auf München 1972. Einen ähnlichen Effekt erhofft er sich für seinen Freistaat, einen neuen Schub für den Aufbau Ost. Denn eigentlich bewirbt sich nicht Leipzig, sondern Sachsen. Die Austragung der Olympischen Spiele soll denn auch auf die Städte Leipzig, Dresden, Halle/Saale und Chemnitz verteilt werden. Und auf Riesa, von dessen sportbegeistertem Oberbürgermeister Wolfram Köhler der eigentliche Anstoß zur Olympiabewerbung kam.

Der Vorteil dieses Konzepts liegt für Sachsen auf der Hand. Mit Ausnahme von Leipzig, das wegen der Ausrichtung des Deutschen Turn- und Sportfestes in diesem Jahr und als künftiger Austragungsort von Gruppenspielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ein modernes Fußballstadion errichten konnte, verfügt der Freistaat kaum über Sportstätten, die eine Austragung nationaler oder internationaler Großwettkämpfe erlauben. Dresden beispielsweise hat kein bundesligataugliches Stadion. Aus eigener Kraft dürfte die Stadt, die derzeit radikal spart, diesen Zustand kaum ändern können. Deshalb ist Olympia die Chance, um in Sachsen Großsportstätten aufzubauen und die Infrastruktur weiter in Ordnung zu bringen.

Zum Beispiel in Leipzig, wo gegenüber dem neuen Zentralstadion ein Olympiastadion für 89 000 Besucher für die Leichtathletik-Wettbewerbe errichtet werden soll. Im Süden der Stadt, in gefluteten Braunkohletagebauen, soll das Wassersportzentrum entstehen. Der Glastempel der Leipziger Messe wird für die Hallenwettbewerbe umfunktioniert. Das Olympische Dorf soll auf einer Industriebrache im Umfeld eines alten Hafens am Elster-Saale-Kanal entstehen.

Dresden will im Stadtteil Ostra-Gehege einen Sportpark mit Stadion errichten, als Austragungsort für Fußball-Gruppenspiele, und hofft auf die Sportarten Tennis, Volleyball und Reiten. Chemnitz plant den Ausbau des Sportforums, mit einem Fußballstadion. Auch die Radsport– und Tischtenniswettbewerbe sollen dort stattfinden. Riesa will Judo, Boxen Gewichtheben, Ringen und, natürlich, Fußball sehen.

Die kurzen Wege der anderen Bewerberstädte hat Leipzig damit aber nicht zu bieten. Graf Landsberg-Velen sprach dennoch nicht von einem Nachteil. Ministerpräsident Milbradt jedenfalls sieht eine reelle Chance für Leipzig. „Ich habe ein gutes Gefühl.“

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