Sport : Mit Satan in den Himmel

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Göteborg (dpa). Als Miroslav Satan den WM-Pokal in seine Hände nahm, ging es in Göteborg erst richtig los. Die gut 3000 slowakischen Fans verwandelten das Scandinavium in ein Tollhaus, auf dem Eis lagen sich die Slowaken in den Armen, und Staatspräsident Rudolf Schuster sprang spontan von seinem Tribünensitz auf. Mit seinem Last-Minute-Tor im Finale der 66. Weltmeisterschaft gegen Russland machte Peter Bondra das slowakische Eishockey-Märchen wahr. Zehn Jahre nach der Gründung des Verbandes trat die Slowakei mit dem 4:3-Sieg gegen Russland aus dem Schatten des großen Bruders Tschechien.

„Das ist eine historische Mannschaft. Die Spieler zeigten, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagte Staatsoberhaupt Schuster nach Bondras Siegtor. „Dem Himmel sei Dank. Ich denke, Gott war mit mir in diesem Moment“, sagte der Profi vom NHL-Team Washington Capitals. Bondra, in der Ukraine geboren, war erst vor den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City eingebürgert worden. Gemeinsam mit Miroslav Satan war er der Star im Team. Kapitän Satan schwärmte später, für ihn sei ein Kindheitstraum wahr geworden, „das ist der schönste Moment meiner Karriere. Wir haben eine perfekte Mannschaft.“ Satan, Bondra und Verteidiger Richard Lintner wurden ins All-Star-Team der Weltmeisterschaft gewählt.

Die Fans feierten den größten Sporterfolg ihres Landes mit ausgelassenen Partys. In Göteborgs Altstadt floss bis weit nach Mitternacht das Bier in Strömen. In Bratislava zogen nach dem Endspiel Zehntausende durch die Straßen. In den Kneipen wurde der Bierpreis um die Hälfte reduziert. Am Sonntag empfingen fast 50 000 Menschen in Bratislava ihre Helden. Die Genugtuung, den Nachbarn endlich abgelöst zu haben, war groß. Nach der politischen Trennung war die Slowakei 1992 vom Weltverband IIHF in die drittklassige C-Gruppe verbannt worden, während die Tschechen in der A-Gruppe bleiben durften.

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