Sport : Mit Schwächen verstärkt SCC-Volleyballern fehlt die Substanz im Angriff

Karsten Doneck

Berlin - Inmitten der vor Freude tobenden Menge standen die Gäste ein wenig ratlos herum. Begeisterte Menschen lagen sich auf den Tribünen in den Armen, unten auf dem Hallenboden tanzten rund ein Dutzend Spieler – derweil suchten die geschlagenen Volleyballer des SC Charlottenburger in diesem Trubel nach Worten. „Ein Abschuss“ sei das gewesen, drückte SCC-Trainer Michael Warm etwas martialisch aus, was er und seine Mannschaft in den 74 Minuten des Bundesligaspiels bei Evivo Düren erlebt hatten. „Wir sind überrollt worden“, kommentierte Manager Kaweh Niroomand unverblümt die 0:3-Niederlage in einem Spiel, das vorab zum Endspiel um Platz zwei in der Bundesliga erhoben worden war.

Das Ereignis vor zehn Tagen in Düren hat dem SCC deutlich vor Augen geführt: Nicht nur der Bundesliga-Primus VfB Friedrichshafen ist inzwischen sportlich weit enteilt, auch Evivo Düren hat sich in der deutschen Volleyball-Hierarchie an den Charlottenburgern vorbeigeschoben. „Düren ist zu Recht Tabellenzweiter“, muss Michael Warm zugeben. Dabei war der SCC doch in dieser Saison – wie in den Jahren zuvor – wieder angetreten, dem VfB Friedrichshafen die Meisterschaft streitig zu machen. Jetzt ist der SCC plötzlich nur noch die Nummer drei hierzulande.

„Unsere Substanz im Angriff ist zu schwach“, sagt Niroomand. Der Fortgang von Robert Kromm schmerzt den SCC mehr, als sie im Verein zugeben möchten. Aber Außenangreifer Kromm war allein schon aus finanziellen Gründen am Ende der vorigen Saison nicht mehr in Berlin zu halten, er wechselte nach Italien zu Cimone Modena. Gleichwertigen und bezahlbaren Ersatz, das wusste der SCC, gab der Spielermarkt nicht her. Nach reiflichen Überlegungen entschloss sich der Verein deshalb, das Spielsystem umzukrempeln. Vereinfacht ausgedrückt: Die Annahme sollte gestärkt werden, das Spiel dadurch schneller gemacht, die Angriffe sollten mehr als bisher über die Mitte abgeschlossen werden. „Das Konzept geht nicht auf“, erkennt Niroomand jetzt. Der extra zur Stärkung der Annahme aus Finnland verpflichtete Matti Ollikainen fand sich gar zuletzt nur auf der Bank wieder.

Nur Angreifer Marko Liefke wird seiner Rolle als Führungspersönlichkeit derzeit gerecht. Ausgerechnet Liefke, der eigentlich als Sorgenkind galt. Die Form des 31-Jährigen war in der vorigen Saison aufgrund von verschiedenen kleineren Verletzungen schwankend, sein Hang zum Übergewicht auch nicht gerade leistungsfördernd. In dieser Saison aber ist Liefke so gut wie nie. „Der hält uns über Wasser“, lobt Niroomand. Bei Ollikainen, Sebastian Prüsener und Dirk Westphal dagegen sieht der Manager „noch Luft nach oben“.

Dass der SCC schwächelt, liegt aber auch daran, dass mit Aleksandar Spirovski (Mittelhandbruch) und Zuspieler Jaroslav Skach (Knieverletzung) zwei Leistungsträger über Monate verletzt ausfielen. Beide reichen jetzt noch nicht annähernd an ihre alte Form heran. Aber die Zeit drängt. In vier Wochen beginnen die Play-offs. Nicht ausgeschlossen ist, dass der SCC im Halbfinale wieder auf Evivo Düren trifft. Im Vorjahr schieden die Charlottenburger gegen Düren aus, seinerzeit noch sensationell. Sollte dem SCC dies erneut widerfahren, wäre der Überraschungseffekt eher gering. Doch ans vorzeitige Ausscheiden denkt beim SCC keiner. „Bei uns ist noch reichlich Potenzial vorhanden“, sagt Niroomand und fordert: „Das muss jetzt nur möglichst bald mal abgerufen werden.“

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