Sport : Mit Sonnenenergie

Alles ist möglich beim SC Freiburg

Christoph Kieslich

Was ist neu?

Der Verein hat im 100. Jahr seines Bestehens etliche Schritte zur Zukunftssicherung unternommen. Neben dem neuen Trikotsponsor „Suzuki“ wurden vier so genannte Premiumsponsoren in Stellung gebracht, die es dem Verein möglich machen, einen Etat von 25 Millionen Euro zu bewirtschaften. Den spektakulärsten Coup landete der SC Freiburg dabei mit dem regionalen Energieversorger „badenova“, der für fünf Jahre das Namensrecht am Dreisamstadion kaufte. Im gleichen Zug entsteht auf den Dächern der Firma und des Vereins ein Sonnenenergiekraftwerk, das einen Megawatt Strom erzeugt. Daneben hat das „badenova-Stadion“ die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schon länger geforderte Rasenheizung bekommen, und die Trägerschaft der Freiburger Fußballschule wird in diesen Tagen von Stadt und Verein in die „Achim-Stocker-Stiftung“ (benannt nach dem seit 32 Jahren präsidierenden Vereinschef) umgewandelt. Daneben unterstützt ein Förderverein die vielbeachtete Nachwuchsarbeit im Klub, der selbst in Berlin Mitglieder fand: Grünen-Politiker Rezzo Schlauch.

Bei all dieser Betriebsamkeit irritiert viele Fans die Zurückhaltung auf dem Spielermarkt. Dabei haben die Freibuger Verantwortlichen nur an einem Grundsatz festgehalten: Keinen Spieler zu verlieren, wird schon als Verstärkung empfunden, und außerdem taxiert Trainer Volker Finke seinen Kader als noch nicht ausgereizt: „Viele Spieler haben noch Luft nach oben.“

Nur drei neue Spieler kommen dazu: Jonathan Pitroipa, ein 18-jähriger offensiver Mittelfeldspieler aus Burkina Faso. Kurios ist die Rückkehr von Régis Dorn, der von 2000 bis 2002 schon einmal beim SC spielte, dann als zu leicht befunden wurde und über Stationen beim französischen Zweitligisten Amiens und in Schanghai wieder in Freiburg auftauchte. Das Frühjahr über durfte er beim SC mittrainieren, dann bot Finke dem 24-jährigen Elsässer überraschend einen neuen Einjahresvertrag an. Vielleicht, weil der Stürmer eine Qualität einbringt, die in seiner Angriffsabteilung nicht weit verbreitet ist: das Toreschießen. In den nächsten Tagen will der SC noch die Verpflichtung von Youssef Muhamad von Olympique Beirut bekannt geben, ein vielfacher libanesischer Nationalverteidiger.

Wenig Probleme hat der SC Freiburg mit seinem Image. Einer überregionalen Umfrage zufolge genießt der SC unter den Fans anderer Klubs die meisten Sympathien: 24 Prozent nannten die Freiburger an erster Stelle.

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Wer ist der Star?

Es ist bereits die 14. Saison, die Trainer Volker Finke in Freiburg in Angriff nimmt, womit nur noch ein Jahr und ein paar Tage fehlen, ehe er den Bundesliga-Allzeitrekord von Otto Rehhagel auf der Bank von Werder Bremen knacken wird. Damit ist und bleibt der 56-jährige Finke die Lichtgestalt in Freiburg. Wenn der rekonvaleszente Richard Golz am 7. August gegen Hansa Rostock zum 422. Mal ein Bundesligator hüten kann, wird das seinen persönlichen Kultstatus in Freiburg nur noch erhöhen.

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Was ist möglich?

Nur mit kompakteren Leistungen des gesamten Teams wird der SC den Makel der meisten Gegentore (67) in der Vorsaison beseitigen können. Das Gleiche gilt für die Auswärtsmisere: Seit Oktober 2001 rennt der Sport-Club einem Dreier in der Fremde hinterher. 40 Punkte sind für die Freiburger das Maß aller Dinge. Kapitän Golz schätzt das Spektrum des Machbaren umfassend ein: „Wie immer: Alles ist möglich.“ Finke wird da konkreter: „Wir landen irgendwo zwischen Platz acht und 13.“

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