Sport : Mit Spaß in den Uefa-Cup Borussia Dortmund muss in diesem Jahr sparen

Richard Leipold

Die Hoffnungen ruhen auf Bert van Marwijk. Der neue Trainer soll der immer noch zu teuren Mannschaft die Schwächen austreiben, die in den zurückliegenden zwei Jahren im nationalen wie im internationalen Wettbewerb zu Stillstand und Rückschritt geführt haben. Seit der zuvor bei Feyenoord Rotterdam beschäftigte Niederländer Matthias Sammer abgelöst hat, scheint das Arbeitsklima beim Tabellensechsten der vorigen Saison entspannter zu sein. „Wenn wir unter Sammer vier Jahre nicht gelacht haben, staunen alle, daß wir es jetzt ein bißchen tun“, sagt Verteidiger Dédé.

Van Marwijk geht das Training weniger wissenschaftlich an, als es seinem Vorgänger nachgesagt wird. Er wolle „der deutschen Kultur durchaus Rechnung tragen“, sagt der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer. Auf die Analyse von Laktatwerten, bei vielen Vereinen obligatorisch, hat er nach den Ferien jedoch verzichtet. „Das ist für mich nicht so wichtig. Mit einem Laktattest kann man kein Spiel gewinnen.“

Teure Transfers wie in früheren Jahren verbietet der dringend gebotene Sparkurs. Die beiden profiliertesten Neuzugänge sind alte Bekannte. Sunday Oliseh und Florian Kringe haben schon für den BVB gekickt, ehe sie zu anderen Klubs ausgeliehen wurden. Während Kringes Rückkehr aus Köln schon länger geplant war, hat die Wiedereinstellung Olisehs Fans und Fachleute überrascht.

Der Nigerianer gilt als schwieriger Charakter. Vor seinem Wechsel zum VfL Bochum hatte er sich mit dem damaligen Trainer Matthias Sammer überworfen; den VfL musste er vor Ablauf der Saison verlassen, weil er seinem Kollegen Vahid Hashemian mit einem Kopfstoß das Nasenbein gebrochen hatte. Daraufhin weigerten die Dortmunder sich zunächst, ihn wieder aufzunehmen und kündigten den Arbeitsvertrag fristlos. Oliseh bot seine Dienste dennoch wieder an – reumütig und zu stark gekürzten Bezügen. Da im zentralen defensiven Mittelfeld eine Stelle vakant war, bekommt Oliseh nun eine zweite Chance.

In der Chefetage gibt es jetzt eine zweite Führungsebene. Neben Sportmanager Michael Zorc wird auch Teammanager Stefan Reuter, der in der vergangenen Saison noch Spieler war, den Geschäftsführern zuarbeiten. Beide gehören zur „erweiterten Geschäftsleitung“.

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Wer ist der Star?

Der Star des Teams bleibt vorerst Tomas Rosicky, der nach einigen Verletzungen bei der Europameisterschaft wieder besser zur Geltung kam. Sein interner Gegenspieler Torsten Frings, der ihn buchstäblich zur Seite gedrängt hatte, ist zum FC Bayern München abgewandert. Obwohl der 23 Jahre alte Rosicky nun der Chef im Mittelfeld sein darf, hat der tschechische Stratege seine Wechselambitionen offenbar noch nicht aufgegeben. Trotz finanzieller Schieflage scheint die Borussia ihn aber halten zu wollen. Die Geschäftsführung behauptet, der FC Porto habe 16 Millionen Euro Ablöse für Rosicky geboten, doch dieser Preis sei für einen Spieler dieser Klasse zu niedrig. Neben Rosicky gewinnt der inzwischen passabel Deutsch sprechende Brasilianer Dédé als Wortführer in der Mannschaft immer mehr an Gewicht.

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Was ist möglich?

Zuletzt gelang es den Dortmundern nicht einmal, im UI-Cup gegen den belgischen Klub KRC Genk weiterzukommen. Da außer Frings kein Leistungsträger den Klub verlassen hat, müsste die Mannschaft eigentlich stark genug sein, um Platz fünf mitzuspielen. Mancher Profi denkt sogar noch in den Kategorien vergangener Zeiten. Dédé behauptet, vielleicht aus alter Gewohnheit, Borussia Dortmund sei „nicht schlechter als die Bayern“. Er geht sogar noch weiter. „Wir können deutscher Meister werden.“ Wer’s glaubt.

Morgen: VfL Bochum

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