Sport : Mit stumpfen Waffen

WM-Bilanz der deutschen Fechter ist bislang mager

Frank Bachner[Leipzig]

„Mann, ist das anstrengend“, stöhnte Benjamin Kleibrink unter seiner Fechtmaske. Anstrengend? Er kämpfte seit gerade mal zwei Minuten. Es sollte noch viel anstrengender werden für den Florettfechter Kleibrink aus Bonn. Er musste in die Verlängerung gegen den Chinesen Liangliang Zhang. Dort kassierte der Junioren-Weltmeister Kleibrink dann den entscheidenden Treffer zur 12:13-Niederlage. Weiter als ins Achtelfinale kam der 20-Jährige gestern nicht bei der Fecht-Weltmeisterschaft in Leipzig. Peter Joppich (Koblenz), Einzel-Weltmeister von 2003, und Ralf Bißdorf (Heidenheim), Weltranglisten-Dritter, schafften es nicht einmal bis dahin und blieben in der Runde der letzten 32 hängen. Nur Dominik Behr (Tauberbischofsheim) scheiterte ebenfalls erst im Achtelfinale.

Es war der nächste enttäuschende Tag der Deutschen. Eine Medaille hatte Bißdorf angepeilt. Auch Joppich galt als aussichtsreich. „Aber jetzt haben wir restlos enttäuscht“, sagte Bißdorf. „Wie die Degen-Fechterinnen.“ Und die Degen-Herren, sollte man noch ergänzen. Bißdorf verkaufte sich „unter Wert“. Der Chinese Sheng Lei war nicht besonders stark, aber Bißdorf setzte sechsmal zum gleichen Treffer an, und sechs mal traf er nicht. „Das darf einem Weltranglisten-Dritten nicht passieren“, sagte er. Schließlich scheiterte er 9:15.

Peter Joppich scheiterte ähnlich blamabel. Der Brite James Beevers ist nicht mal unter den Top 30 der Welt, er hat gegen Joppich noch nie gewonnen, aber gestern lag er nach kurzer Zeit 7:0 in Führung, dann 9:1. Am Ende gewann er 15:10. „Er kam einfach nicht in den Kampf“, sagte Bundestrainer Ulrich Schreck. „Er hat sich von der unorthodoxen Kampfweise des Briten verunsichern lassen.“ Beevers deckte seine Trefferfläche ab, Joppich forderte daraufhin zwei Seitenrichter, doch der polnische Kampfrichter lehnte ab. „Aber das allein erklärt nicht die Niederlage“, sagte Schreck immerhin auch noch.

Die Einzel-Wettbewerbe sind vorbei, morgen steigt Deutschland in die Teamwettbewerbe ein. Und an die klammern sich Funktionäre, Trainer und Sportler. „Am Ende werden die Toten gezählt“, sagte Claus Janka, der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, grimmig. „Wir greifen noch mal an“, verkündete Degen-Fechterin Claudia Bokel energisch. Und Bißdorf stellte klar: „Wir wollen eine Medaille.“

Und damit dieses Ziel nicht gefährdet wird, versuchen die Florettfechter heute außerhalb des Hotels auf andere Gedanken zu kommen: Bißdorf und seine Kollegen gehen in den Zoo.

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