Sport : Mit Toren aus der Arbeitslosigkeit

Shergo Biran spielte für 150 Euro in Babelsberg – nun darf er zu Union wechseln

Benjamin Weissinger

Berlin - Die Erleichterung ist Shergo Biran anzumerken, der wochenlange Streit des lange als arbeitslos gemeldeten Stürmers rund um seinen Wechsel zum 1. FC Union hat Spuren hinterlassen. „Ich bin einfach nur glücklich, dass ich mich nun aufs Sportliche konzentrieren kann“, sagt der 29 Jahre alte Stürmer, der seine Sachen für das erste Training mit seiner neuen Mannschaft schon gepackt hat.

Für Biran, der in der Saison 2004/ 2005 beim FC Hansa Rostock zu zwei Bundesligaeinsätzen kam, geht mit dem Wechsel zu Union eine Episode seiner Karriere zu Ende, die ihm bundesweite Aufmerksamkeit bescherte.

Nach erfolglosen Stationen bei Dritt- und Viertligisten meldete sich der syrischstämmige Deutsche im vergangenen Jahr erwerbslos, erhielt fortan 1000 Euro monatlich vom Arbeitsamt. Biran, der seine Zeit nicht nur mit Gelegenheitsjobs verbringen wollte, heuerte beim Regionalligisten SV Babelsberg 03 an, obwohl der Verein ihm nur eine Aufwandsentschädigung bot: 150 Euro monatlich. Biran stellte sich als Glücksgriff heraus, erzielte für seinen Verein in der Hinrunde nicht weniger als neun Tore in 16 Spielen. Klar, dass Babelsberg nicht begeistert war, als Union sich die Dienste des Torjägers sichern wollte. Über die Offerten bezüglich eines verbesserten Vertrags, die Biran daraufhin von Babelsberg bekam, gibt es unterschiedliche Darstellungen. „Viel zu spät“ sei Babelsberg auf ihn zugekommen, als er sich längst mit Union geeinigt habe, sagt der 29-Jährige. Viel zu ungeduldig seien Biran und sein Berater Henry Hennig gewesen, war hingegen von den Babelsberger Verantwortlichen zu hören. Diese fühlten sich hintergangen und bestanden lange auf einem bis zum 30. Juni 2008 laufenden Vertrag, der laut Geschäftsführer Ralf Hechel volle Rechtsgültigkeit besaß. Nun einigte man sich doch mit Union, und der Vertrag wird aufgelöst.

„Jeder Spieler von Babelsberg hat mich und meine Situation verstanden, da gab es keine bösen Worte zum Abschied“, erzählt Biran. Über sein neues Gehalt, das rund 5000 Euro betragen soll, will er nicht sprechen, „nur noch über Fußball“. Auch zu den Transfermodalitäten schweigt er. Lieber redet Shergo Biran über seinen Freund, den Union-Stürmer Karim Benyamina, auf den er sich freue. Auch über einen Stammplatz hat er schon nachgedacht: „Union hat vier gute Stürmer, aber meine Quote aus der Hinrunde spricht für mich.“ Sollte er verletzungsfrei durch die Vorbereitung kommen, rechnet sich Biran gute Chancen aus zu spielen. „Ich will noch mal richtig angreifen.“ Und dabei Geld verdienen.

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