Sport : Mit Trippeln zum Double

Borussia Dortmund besiegt den FC Bayern im Endspiel um den DFB-Pokal überlegen mit 5:2.

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Berlin - Das DFB-Pokalfinale in Berlin ist ein feierlicher Anlass. Das fiel irgendwann auch Jürgen Klopp auf. Die deutsche Nationalhymne vor dem Anpfiff hatte schon angefangen, da merkte der Trainer von Borussia Dortmund, dass es doch angebracht wäre, seine Kappe abzunehmen. Schnell korrigierte er den Fauxpas. Es blieb die einzige Blöße des Meisters und jetzt auch Pokalsiegers. Dank dreier Tore von Robert Lewandowski schloss der BVB eine überlegene Saison mit einem überlegenen und unterhaltsamen 5:2 (3:1)-Sieg gegen Bayern München ab. „Wir haben gezeigt, warum wir dieses Jahr verdient Meister geworden sind und den Pokal geholt haben“, sagte Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl.

Bayerns Trainer Jupp Heynckes hatte der Versuchung widerstanden, seine Mannschaft für das Endspiel der Champions League in einer Woche einzuspielen. Er setzte von Beginn an auf die gegen den FC Chelsea gesperrten Holger Badstuber, David Alaba und Luiz Gustavo. Beim Letztgenannten wäre eine Sperrensimulation vielleicht die klügere Alternative gewesen. Das Finale war gerade zwei Minuten alt, da spielte der Brasilianer einen verunglückten Pass. Dortmunds Jakub Blaszczykowki ersprintete den Ball, legte quer zu Shinji Kagawa, der zum 1:0 einschob. Fortan wurde Luiz Gustavo im Spielaufbau der Bayern weiträumig umfahren. Oft ging es über die Außenpositionen, aber Franck Ribéry und Arjen Robben wurden direkt von zwei bis drei Dortmundern in Empfang genommen. Dieses Trippeln war einer der Pläne, um das Double sicherzustellen.

Besser lief es, wenn es mit wenigen Kontakten durch die Mitte ging: So nach 20 Minuten, als ein Steilpass Mario Gomez erreichte – beziehungsweise erreicht hätte, wenn BVB-Torwart Roman Weidenfeller ihn nicht von den Beinen geholt hätte. Am Elfmeterpunkt gab es ein Wiedersehen mit Arjen Robben, der in der Meisterschaft titelentscheidend verschossen hatte. Diesmal machte es der Niederländer besser, schoss flach in die richtige Ecke. Weidenfeller musste kurz darauf das Feld verlassen, er hatte sich zuvor an der Rippe verletzt, für ihn kam Mitchell Langerak (siehe Text rechts).

Der Ausgleich gab den Bayern aber nicht mehr Sicherheit in ihrem Spiel. Das frühe Attackieren der Dortmunder behagte ihnen nicht. Der Punkterekordmeister verzeichnete weniger Ballbesitz, aber mehr Torgefahr: Als der agile Blaszyczykowski sich fünf Minuten vor der Pause auf die linke Angriffsseite getrickst hatte, mähte ihn Jerome Boateng mit beiden Beinen voraus um. Den Elfmeter des früheren Münchners Mats Hummels erwischte Bayern-Torwart Manuel Neuer noch – vom rechten Toreck konnte er ihn aber nicht ablenken. Nach dem 2:1 flog schon ein wenig Konfetti durch das mit 75 708 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion, aber dafür war es noch zu früh. Der Schiedsrichter spendierte wegen Weidenfellers Behandlungspause fünf Minuten Nachspielzeit. Genug für Luiz Gustavo, um sich wieder zu verschätzen. Diesmal bei der Flugkurve des Balles, Kagawa dankte und spielte auf Robert Lewandowski. Frei vor Neuer traf der Pole zum 3:1. Die Siegerfaust ballend, sprintete Klopp in die Kabine.

Mit einem Feuerwerk ging es weiter. Die BVB-Fans zündeten, wie schon die Münchner vor Spielbeginn, mehrere Bengalos, der Wiederanpfiff verzögerte sich. Bayern-Trainer Heynckes nutzte die Unterbrechung, um den unglücklichen Luiz Gustavo herauszunehmen, er brachte Thomas Müller. Bayern wurde offensiver, was aber eher dazu führte, dass die Dortmunder zu mehr Kontern kamen. So nach fast einer Stunde, als ein abgefangener Ball bei Kevin Großkreutz an der Münchner Strafraumgrenze landete. Er tunnelte Schweinsteiger und Lewandowski traf erneut, 4:1. Die Dortmunder Fans feierten schon das erste Double in der 103-jährigen Vereinsgeschichte, als Neuer gegen Lewandowski rettete und Gomez im Gegenzug an die Latte köpfte. Ribéry zeigte mit einem Solo und dem 2:4, dass die Münchner mental noch in Berlin waren. Neuer scheinbar nicht: Einen bereits abgefangenen Ball ließ er wieder los, Lukasz Piszczek flankte auf Lewandowski, der zum dritten Mal traf.

Minuten vor dem Ende feierte die BVB-Bank, nach dem Abpfiff auch die Aktiven. Sie rannten mit einer Riesenfahne in ihre Kurve. Und Jürgen Klopp? Lief über den Rasen wie Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 und umarmte jeden, den er fand – ein Kaiser mit Kappe.

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