Sport : Mit Turban quer in der Luft

Ein spektakuläres Tor besiegelt das Aus der U 17

Ron Ulrich
Fischer und Hoeneß in einem. Mexikos Julio Gomez trifft mit einem Fallrückzieher à la Klaus Fischer und einem Turban à la Dieter Hoeneß zum 3:2-Sieg. Foto: AFP
Fischer und Hoeneß in einem. Mexikos Julio Gomez trifft mit einem Fallrückzieher à la Klaus Fischer und einem Turban à la Dieter...Foto: AFP

Berlin - Dieter Hoeneß hätte sich wohl kaum vorstellen könnne, dass sein Name nach dem Halbfinale der U-17-Fußball-WM so oft genannt werden würde. Doch der dramatische 3:2-Sieg Mexikos gegen die deutsche Auswahl weckte Erinnerungen an Hoeneß’ Turban-Auftritt im Pokalfinale 1982 gegen Nürnberg. Hoeneß hatte seinerzeit in Diensten des FC Bayern trotz Kopfverletzung in der 89. Minute zum 4:2-Endstand getroffen.

Was damals in Frankfurt passierte, wurde nun im mexikanischen Torreon getoppt: Ebenfalls 89 Minuten waren in einer hochklassigen Partie vor 30 000 Zuschauern vorbei, es stand 2:2, da wartete Mexikos Julio Gomez am zweiten Pfosten auf einen Eckball. Gomez trug nach einem Zusammenstoß und einer minutenlangen Behandlung einen dicken Verband um den Kopf. Allein bei seiner Rückkehr aufs Feld hatten ihn die mexikanischen Fans frenetisch gefeiert, doch die folgende Aktion machte ihn endgültig zum „Heldenkind“, wie mexikanische Zeitungen später titelten: Als der Eckball verlängert wurde, lag Gomez in der Luft und traf den Ball per Fallrückzieher mit Maßarbeit, dieser titschte an den linken Innenpfosten und von dort ins Tor. 3:2, Mexiko war im Finale. Während die deutschen Spieler zusammensanken, bildete Mexikos Team eine Jubeltraube, aus der ein weißer Verband herausragte.

„Es gibt diese Momente im Spitzenfußball, in denen Kleinigkeiten entscheiden“, sagte Bundestrainer Steffen Freund. Beim Wort Spitzenfußball hatte Freund mit keiner Silbe übertrieben – die beiden Teams lieferten sich kämpferisch und spielerisch ein Duell auf höchstem Niveau und mit enormen Tempo.

Bester Beleg für die Begeisterung um das Spiel war nicht nur die unglaublich lautstarke Kulisse im Stadion selbst, sondern auch der Jubel von 300 Fans, die die deutsche Mannschaft nach der Rückkehr am Hotel empfingen. „Das war eine tolle Atmosphäre, die Stimmung war fantastisch“, sagte Freund. Nun wolle man die Medaille gewinnen. Am Sonntag spielt Deutschland im Aztekenstadion um Platz drei (22 Uhr, live bei Eurosport). Es wird Freunds letztes Spiel als Trainer dieses Teams, das während der gesamten WM durch seine offensive Spielweise überzeugte. Freund übernimmt danach die U 16. „Ich bin sehr stolz auf diese Jungs“, erklärte er.

Bei der Mannschaft selbst überwog noch der Frust über die aus Sicht der Spieler zu kurze Nachspielzeit und das knappe Ausscheiden. Denn Deutschland hatte nach einer abwartend geführten Anfangsphase und dem Rückstand nach drei Minuten durch Gomez wieder ins Spiel zurück gefunden. Samed Yesil erzielte in der zehnten Minute das 1:1 – es war sein 19. Treffer im 20. Länderspiel. Kapitän Emre Can erzielte in der 60. Minute nach einem unglaublichen Sololauf an vier Gegenspielern vorbei das 2:1. Ein Tor, das sinnbildlich stand für die Entschlossenheit der deutschen Elf.

Doch in der Folge schwand die Kraft bei den jungen Spielern, die in der brütenden Hitze in Hälfte eins oftmals zu viele unnötige Wege gegangen waren. Mexiko hingegen blühte auf, jeder gewonnene Zweikampf wurde von den Fans mit Beifallsstürmen goutiert. Nur noch selten konnten sich die Deutschen befreien, als dann auch noch Can das Feld verließ und sich der eingewechselte Rani Khedira gleich zweimal verletzte, wurde der Druck zu groß. Jorge Espericueta verwandelte einen Eckball in der 76. Minute direkt, Deutschlands Torwart Odisseas Vlachodimos war dabei nicht unschuldig. Bei dieser Aktion verletzte sich Julio Gomez am Kopf, bevor er unter lautem Jubel wieder aufs Feld zurückkehrte.

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