Sport : Mit vollem Einsatz

In Unterhaching ging ihm das Leben zu gemächlich zu – deshalb spielt der Volleyballer Sebastian Prüsener jetzt beim SCC

Frank Bachner

Berlin. Sebastian Prüsener hat nicht durchgezählt, aber er schätzt, dass es 50 Hobbysportler waren. Die drängten sich ein bisschen, weil die Sporthalle in Unterhaching nicht groß ist, und ohnehin hatten sie nicht die ganze Halle zur Verfügung. Aber sie waren noch ziemlich fit. Die meisten waren Rentner, aber hier bei der Skigymnastik spulten sie ein beachtliches Programm ab. Sebastian Prüsener war jedenfalls nach der Gymnastik ausreichend warm. Die Volleyballer des Bundesligisten TSV Unterhaching haben immer mit den Rentnern geturnt, und erst nach dem Massen-Aufwärmtraining zogen sie sich in ihr Hallendrittel zurück. Meistens hatten sie unter der Woche nur ein Hallendrittel fürs Training. Aber vormittags war das nicht so schlimm. Da tauchten sowieso nur vier Spieler auf. Der Rest saß im Gymnasium oder im Hörsaal der Uni.

So war das bei Sebastian Prüsener aus Ottobrunn bei München bis Ende vergangener Saison. Dann kam der Außenangreifer zum SC Charlottenburg und damit zumindest teilweise in eine neue Welt. Beim SCC haben sie eine ganze Halle zur Verfügung und einen Kraftraum. Da müssen sie nicht die Skigymnastik mit Rentnern machen oder allein im Fitnessstudio an den Geräten ackern. In Unterhaching saß Prüsener ganz allein vor den Hanteln, keiner kontrollierte ihn, und entsprechend war sein Einsatz beim Krafttraining: „Ich habe nur 80 Prozent gebracht.“

Trotzdem ist er Nationalspieler geworden, hat es zu neun Einsätzen gebracht. Es muss wohl an seinem enormen Talent liegen. „Der Sebastian hat Perspektiven. Er ist gut im Angriff und in der Annahme“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Deshalb hat er ihn geholt. Und Prüsener, 21 Jahre alt, 1,98 m groß, sagte zu, weil „Berlin der Hit ist“. Genau gesagt, ist die Champions League der Hit. Der SCC ist Deutscher Meister, deshalb darf er in der Liga der Besten mitspielen. Aber die Champions League beginnt erst im Dezember. Am Sonntag trifft der 21-Jährige mit dem SCC erst mal auf den VfB Friedrichshafen (15 Uhr, Sömmeringhalle). Es ist das Spitzenspiel der Bundesliga, beide Teams sind noch ungeschlagen. „Ich habe dem SCC zugesagt, weil ich mit Berlin gegen super Mannschaften spielen kann“, sagt Prüsener. Der SCC trifft in der Champions League auf Treviso, Piräus und Czestochowa. „Gegen solche Mannschaften kannst du nur lernen“, sagt Prüsener.

Das ist ein typischer Satz für ihn. Er hat noch dieses Hungrige, und er sieht noch die Schwächen bei sich und die Stärken bei den Konkurrenten. Er hat noch nicht die Selbstzufriedenheit wie manche in seinem Alter. Er sieht zum Beispiel die Einstellung von Eugen Bakumowski, seinem SCC-Teamkollegen, im Training. „Der hängt sich in jedem Training voll rein.“ Prüsener schafft das noch nicht. Beim Krafttraining zum Beispiel. Er mag kein Krafttraining, also macht er beim SCC nicht mehr als nötig. Aber das reicht, damit er nach ein paar Wochen SCC-Training mitunter „fix und fertig“ ist. Das Krafttraining, die Konditionsarbeit, alles ist intensiver als bei Unterhaching. „Aber gerade im Aufschlag habe ich in Berlin einiges dazugelernt.“

Er hätte auch gerne noch in der Nationalmannschaft einiges dazugelernt. Aber das geht erst mal nicht. Stelian Moculescu, der Bundestrainer, hat ihn aus dem Kader genommen. „Ich habe bei der Nationalmannschaft Libero gespielt, das ist eigentlich nicht so meine Position.“ Es gab noch einen anderen Libero, Till Lieber aus Düren, und der „war einfach besser als ich“. Er wirkt nicht, als ob er damit Probleme hätte. „Der Till war beweglicher als ich, er hat besser abgewehrt.“ Der Außenangreifer hat das Thema Nationalmannschaft erst einmal „abgehakt“.

Am Sonntag könnte er noch mal mit Moculescu darüber reden. Der Bundestrainer ist auch Coach des VfB Friedrichshafen. Aber Prüsener wird wohl kaum auf den gebürtigen Rumänen zugehen. „Für mich ist es nichts Besonderes, dass er am Sonntag auftaucht. Für mich ist das ein ganz normales Spiel. Ich denke, dass wir 3:1 gewinnen werden.“ Jetzt hofft der 21-Jährige nur, dass genügend Zuschauer kommen. Zuletzt, gegen die Volley Dogs, spielte er mit dem SCC vor 200 Fans. In Unterhaching dagegen war die Halle zeitweise brechend voll. Nicht nur bei der Skigymnastik.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben