Mit Wolfsburg in Fulham : Zu Gast in der Holzklasse des internationalen Fußballs

Es ist lange her, dass der FC Fulham ein Spiel gegen einen deutschen Verein im altehrwürdigen Craven Cottage bestritten hat. Nach Blau Weiß Berlin 1957 kam am Donnerstag mit dem VfL Wolfsburg der deutsche Meister zum Europa-League-Viertelfinale. Dabei spielte Berlin wieder eine maßgebliche Rolle - wenn auch nur indirekt.

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Europa League - FC Fulham - VfL Wolfsburg
Per Kopf natürlich. Madlungs Tor hält Wolfsburg im Rennen. -Foto: dpa

Craven Cottage ist die Holzklasse im internationalen Fußball. Das Stadion des Fulham FC, direkt an der Themse in einem Park gelegen, hat Tradition bis in die alten Knochen. An diesem Samstag rudern hier die Studenten aus Oxford und Cambridge vorbei. Das Traditionsbewusstsein von Fulham zeigt sich auch im Programmheft zum Viertelfinalhinspiel der Europa League gegen den VfL Wolfsburg am Donnerstagabend. Darin wird nicht nur der Sieg gegen Juventus Turin im Achtelfinale als historisch eingeordnet, sondern auch das bisher letzte Spiel gegen eine deutsche Mannschaft in Craven Cottage gewürdigt. 2002 hat der FC Fulham im damaligen UEFA-Pokal zwar zwei Spiele gegen Hertha BSC bestritten, doch das Heimspiel wurde aufgrund von Renovierungsarbeiten nicht im eigenen Stadion ausgetragen.

Es war am 27. April 1957, der Gegner hieß Blau Weiß und spielt heute „in the sixth division Landesliga Berlin, whatever that is“. 6:0 ging es damals aus. Wolfsburg dagegen kam, die Zuschauer wurden im Heft daran erinnert, als Deutscher Meister nach Fulham. Doch dass es sich bei diesem Spiel um dieselbe Sportart handelte wie das, was tags zuvor im Emirates Stadium bei Arsenal gegen Barcelona geboten wurde, war von den Holzsitzen in Craven Cottage nur ansatzweise zu erkennen. Erst nach einer Stunde, als innerhalb von vier Minuten Zamora und Duff zur 2:0-Führung für Fulham trafen, schienen sich Dzeko und Grafite zu erinnern, was sie in der vergangenen Saison so gefährlich gemacht hatte.

Dennoch passte es, dass den wichtigen Anschlusstreffer kurz vor Schluss der Ex-Herthaner Madlung erzielte, ein Spieler, der auch zur Holzklasse gehört. So feierten ein paar hundert Wolfsburger Fans die Hoffnung auf das Rückspiel und seltsamerweise auch Lorenz-Günther Köstner.  Zurück blieben auf den Toilettenkacheln in Craven Cottage Sticker mit dem Aufdruck „Wolfsburg ’45“. Das ist das Gründungsdatum des VfL. Englische Fans denken da an etwas anderes. Auch auf dem Rückweg zum Golden Lion sangen sie ihr „Ten German Bombers“.

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