Sport : Mit Wut gehalten

Stuttgarts Torhüter Timo Hildebrand rettet dem VfB den 1:0-Sieg in Mönchengladbach

Andreas Morbach

Mönchengladbach. Die Wut des Timo Hildebrand bekamen nacheinander alle zu spüren: Erst der Schiedsrichter, dem Stuttgarts Keeper fünf Minuten vor Spielende nach seinem Klärmanöver gegen Gladbachs Angreifer Arie van Lent entgegenbrüllte: „Das war kein Elfmeter!" Dann das Gladbacher Volk in der Nordkurve, welches der junge Keeper für sein parteiisches Verhalten mit bitterbösen Blicken belegte, ehe er einen Torpfosten mit einem gewaltigen Tritt malträtierte.

Zu guter Letzt musste dann Igor Demo büßen: Hildebrand hielt den platziert getretenen Strafstoß des Slowaken mit einem mächtigen Sprung in die Ecke und rettete den Schwaben damit den 1:0-Erfolg auf dem Bökelberg. Weil Demos Kick aus elf Metern so kurz vor Schluss allerdings die erste Torgelegenheit der gastgebenden Borussia überhaupt war, konnte später auch niemand behaupten, der Erfolg des Vizemeisters sei womöglich unverdient gewesen. Außer Ewald Lienen, dem für das chancenarme Team verantwortlichen Trainer: Der kam aus dem wilden und reichlich kopflosen Anrennen seiner Elf in der zweiten Hälfte zu dem Schluss: „Man muss sich schon wundern, dass die Gast-Mannschaft nach so einem Spiel mit einem Sieg nach Hause fährt."

In Wirklichkeit war vor allem die defensive Taktik erstaunlich, mit der der VfB Stuttgart zu seinem zweiten Auswärtssieg im zweiten Versuch dieser Saison kam. Die Innenverteidiger Marcelo Bordon und Fernando Meira sowie ihre Nebenleute Andreas Hinkel und Heiko Gerber verschoben ihre Positionen so geschickt, dass die Borussia auf diese flexible Verteidigung schon Mitte der ersten Hälfte mit Fehlpässen und ungenauen Flanken reagierte. Die Stuttgarter haben nach drei Spielen noch kein Tor kassiert. Noch unsicherer wurde der Gesamteindruck mit dem Führungstor des VfB: Der ansonsten schwache Kevin Kuranyi nutzte einen Aussetzer seines Widersachers Marcelo Pletsch, passte von der Torauslinie zurück auf den Sturmkollegen Cacau, der die erste Chance der Gäste prompt zum Siegtreffer nutzte.

Die unspektakuläre, aber eben effektive Verteidigungsshow des Magath-Teams ließ die Borussia fortan verzweifeln. „Das haben sie sehr gut gemacht", zog Mittelfeldmann Peer Kluge den Hut, und der finnische Angreifer Joonas Kolkka ärgerte sich: „Sie mussten nur noch ihr Spielchen runterspielen. Und gegen solche Verteidiger macht es dann natürlich keinen großen Spaß." Den hatte dafür Timo Hildebrand. „Ich habe mich über mich selbst gewundert, weil ich den Leuten vor mir so wenig zugerufen habe", freute sich der Torwart über seine starke Abwehr.

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