Sport : Mit Zwieback zur Meisterschaft

Tischtennisdamen von 3B auf dem Weg zum Titel

Jörg Petrasch

Berlin - Am Gründonnerstag hatte der Tischtennis-Bundesligist 3B Berlin seine Chancen auf die deutsche Meisterschaft schon beinahe verspielt. Und zwar ohne einen einzigen Ballwechsel. Beim gemeinsamen Abendessen zogen sich die Spielerinnen eine Lebensmittelvergiftung zu. Dank einer zweitägigen intensiven Zwieback- und Cola-Kur entschloss sich das Team, am Ostersonntag gegen den Mitkonkurrenten TV Busenbach anzutreten. Die geschwächten Spielerinnen traten aber nicht nur an, sie bezwangen ihren schwäbischen Gegener mit 6:4. „Ich bin stolz ohne Ende“, sagte Manager Rainer Lotsch danach fassungslos.

Möglicherweise wird dieser Kraftakt des zweifachen ETTU-Cup-Siegers einmal rückwirkend als Ausgangspunkt der langersehnten ersten deutsche Meisterschaft stehen – zumindest nach der Wiedervereinigung. Denn der Ostberliner Klub, Lotsch spricht vom „jungen Verein mit langer Tradition“, war der erfolgreichste Tischtennis-Verein in der DDR. Als SC Einheit Berlin wurde er bei den Frauen dreimal, als TSC Berlin viermal und als BSG Außenhandel Berlin 13 Mal Meister. Und jetzt, zehn Jahre nach dem Aufstieg in die Bundesliga, stehen die Chancen für 3B Berlin wahrlich gut.

Am vergangenen Sonntag wurde noch der zweite Mitkonkurrent FSV Kroppach auswärts mit 6:2 aus dem Titelrennen geworfen. Zwei Teams sind noch übrig: der amtierende Meister TTC Langweid und 3B Berlin. Beide stehen mit vier Minuspunkten an der Spitze der Tabelle und treffen am Sonntag in Langweid aufeinander – nach der Abschaffung des Play-off-Modus im letzten Jahr wieder in einem echten Endspiel. „Für beide Mannschaften stehen die Chancen gut“, sagt Lotsch diplomatisch. Langweid besitzt zwar den Heimvorteil, aber den Berlinerinnen würde bereits ein Unentschieden reichen, da sie eine deutlich bessere Spieldifferenz aufweisen. Zudem trifft eine Woche später 3B im letzten Spiel der Saison auf Absteiger TTK Anröchte, während Langweid nach Kroppach muss.

Aber mit Schützenhilfe will Lotsch gar nicht erst rechnen. „Entscheidend ist, dass die Mannschaft eine Mannschaft ist und nicht nur aus Einzelspielerinnen besteht“, erklärt der Manager die diesjährige Stärke seines Teams 3B. Trotzdem besitzt der Erfolg einen Namen: Ah Sim Song. Die gebürtige Chinesin, die im letzten Jahr ihre internationale Karriere im Nationalteam von Hongkong beendet hat, konzentriert sich nun außschließlich auf 3B. Und das zahlt sich aus. Mit ihrer 24:3-Bilanz ist sie wie im vergangenen Jahr die beste Akteurin der Liga, spielt aber nochmals „30 Prozent besser als letzte Saison“, findet Lotsch. Auch die nach zahlreichen Verletzungen genesene ehemalige Nationalspielerin Tanja Hain-Hoffmann (11:3) hat entscheidenden Anteil am derzeitigen Erfolg. Zudem erspielten sich Veronika Pawlowitsch (15:10), Bao Di (11:4) sowie Ersatzspielerin Julia Necula (5:4) alle eine positive Bilanz. Und noch etwas anderes spricht für Berlin: Während Langweid nach dieser Saison sein Team aus finanziellen Gründen zurückziehen muss steht bei 3B Berlin bereits fest: alle Spielerinnen bleiben.

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