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Mitgliederversammlung Hertha BSC : „Beste Stadionlösung wäre auf dem Olympia-Gelände“

Aufsichtsrat Bernd Schiphorst spricht sich für einen Stadionneubau direkt neben dem Olympiastadion aus. Standorte in Brandenburg ernten dagegen die Pfiffe der Mitglieder.

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Geschäftsführer Michael Preetz (l) und Präsident Werner Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung am Montagabend.
Geschäftsführer Michael Preetz (l) und Präsident Werner Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung am Montagabend.Foto: dpa

Die Mitgliederversammlung von Hertha BSC läuft schon 75 Minuten, da schafft es Bernd Schiphorst, die 1200 Mitglieder zum ersten Mal in Rage zu versetzen. Es geht um den möglichen Stadionneubau, über den seit einer Woche wieder heftig diskutiert wird. Schiphorst, der Aufsichtsratsvorsitzende des Berliner Fußball-Bundesligisten, hat viele Dinge gesagt, die Herthas Mitglieder hören wollen. Zum Beispiel über den möglichen Standort eines neuen Stadions: „Am besten wäre, eine Lösung auf dem Olympiagelände zu finden.“ Man müsse sich aber auch mit anderen Standorten beschäftigen, sagt Schiphorst, und als er in diesem Zusammenhang einen Umzug ins Berliner Umland erwähnt, gibt es Pfiffe und Buhrufe. Das BSC von Hertha steht für Berliner Sportclub, und das soll nach dem Geschmack der Mitglieder auch so bleiben.

Das Thema Stadion erhitzt die Gemüter, vor allem eine Verlegung nach Brandenburg. Das zeigt auch Herthas Mitgliederversammlung in der Messe Berlin. Dabei könnte alles so schön sein. Die Mannschaft hat tags zuvor gegen Mainz gewonnen, sie liegt in der Fußball-Bundesliga auf Platz drei, und als sie nach etwas mehr als einer halben Stunde den Saal verlässt, schnellen die Mitglieder von ihren Sitzen, klatschen und jubeln. Die Stimmung in der Halle ist angesichts des sportlichen Erfolgs ohnehin prächtig, und sie wird noch ein bisschen prächtiger, als Manager Michael Preetz die frohe Kunde überbringt, dass Vedad Ibisevic am Nachmittag seinen auslaufenden Vertrag bis 2019 verlängert hat. Zudem kündigt Preetz an, er werde alles versuchen, auch mit Ibisevics Sturmpartner Salomon Kalou eine Lösung zu finden.

Die Verbindlichkeiten sind auf 21 Millionen Euro gestiegen

Das ist die perfekte Überleitung zu seinem Kollegen Ingo Schiller. „Wir haben es geschafft, Leistungsträger zu halten“, sagt Herthas Finanzgeschäftsführer. Allerdings hat das Geld gekostet. Hertha hat das Geschäftsjahr 2015/16 auch deshalb mit einem Minus von 7,8 Millionen Euro abgeschlossen. Die Verbindlichkeiten sind auf 21,2 Millionen Euro gestiegen. Trotzdem sagt Schiller: „Wir sind stabil unterwegs.“ Das Minus sei vor allem auf höhere Abschreibungen zurückzuführen, nicht auf einen Cash-Verlust. Hertha habe zum Bilanzstichtag am 30. Juni 2015 keine zinstragenden Verbindlichkeiten mehr gehabt, abgesehen von der Fananleihe (3,5 Millionen Euro), die inzwischen zurückgezahlt wurde, und einer digitalen Anleihe über eine Million Euro. Allerdings ist das Eigenkapital um 2,8 Millionen Euro zurückgegangen (jetzt: 18,6 Millionen Euro).

„In der Gewinn-und-Verlustrechnung spiegeln sich unsere strategischen Entscheidungen wider“, sagt Schiller. Anstatt Spieler zu verkaufen, damit Transfererlöse und folglich auch einen besseren Jahresabschluss zu erzielen, habe der Klub im Sommer 2015 Qualität hinzugeholt (Mitchell Weiser, Vladimir Darida, Niklas Stark, Vedad Ibisevic) und zum Teil langfristig an sich gebunden. Mit Fabian Lustenberger, Marvin Plattenhardt, Rune Jarstein, Sebastian Langkamp und John Anthony Brooks haben die Berliner im vergangenen Geschäftsjahr verlängert. „Wir haben Transferwerte geschaffen und erhalten“, sagt Schiller. Hertha erhofft sich davon mittelfristig deutlich höhere Einnahmepotenziale. Dass der Klub diese Einnahmepotenziale auch zu Geld machen wird, sei damit aber nicht zwingend gesagt, erklärt Schiller. Hertha sei derzeit nicht darauf angewiesen, Transfererlöse zu erzielen. 
Etwas mehr als 40 Millionen Euro hat Hertha für den Bundesligakader ausgegeben; neben den Vertragsverlängerungen hat auch der sportliche Erfolg (Platz sieben) durch die höheren Prämien Geld gekostet. Dafür erlöste Hertha aus den Fernsehrechten sechs Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor (30,1 Millionen Euro). In Zukunft wird dieser Posten deutlich größer ausfallen. Der Gesamterlös aus den Medienrechten könnte in der kommenden Saison über 55 Millionen Euro liegen (in dieser sind es 32,7 Millionen) und bis 2020/21 auf 80 Millionen Euro steigen. Für alle Bundesligisten gebe es deutliche Mehreinnahmen, sagt Schiller, Hertha aber könne sich bei anhaltendem sportlichen Erfolg auf überproportionale Mehreinnahmen freuen.

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