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Mitgliederversammlung : Hertha verlängert mit Raffael und holt seinen Bruder Ronny

Hertha BSC kann auch in der zweiten Bundesliga auf seinen Spielmacher Raffael bauen. Der Brasilianer einigte sich am Wochenende mit dem Verein auf einen bis 2014 datierten Vertrag.

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Raffael (l) und sein Bruder Ronny.
Raffael (l) und sein Bruder Ronny.Foto: dpa

Berlin - Von Michael Preetz ist bekannt, dass er nicht das beste Verhältnis hat zu Dieter Hoeneß, seinem Vorgänger als Geschäftsführer bei Hertha BSC. Eines aber hat sich der neue Manager sehr schön abgeguckt vom alten: die Kunst, die Basis zu umgarnen und mit geschickten Morgengaben zu Beifallsstürmen zu animieren, wo doch Pfiffe zu erwarten sind.

Am Montagabend, drei Wochen und zwei Tage nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga, präsentierte Preetz der Mitgliederversammlung in den Messehallen am Funkturm die Vertragsverlängerung mit dem Brasilianer Raffael. Als Preetz dann auch noch die Verpflichtung von Raffaels Bruder Ronny bekanntgab, feierte sich die Basis so ekstatisch wie zuletzt im Fast-Meisterfrühling 2009.

Ronny (der eigentlich Ronny Heberson Furtado de Araujo heißt) erhielt einen Vertrag bis 2013, Raffael bleibt sogar noch ein Jahr länger, er begrüßte seinen Bruder mit einem Kuss auf die Wange, trug das neue, blau-weiß-rot gezackte Trikot und hielt seine längste Rede seinen zweieinhalb Jahren bei Hertha BSC: „Es war hart, mit Hertha abzusteigen. Ich laufe nicht weg. Wir steigen wieder auf!“ Und, nach lang anhaltendem Jubel: „Ich liebe Hertha BSC!“

Raffaels Auftritt war die große Überraschung des Abends, aber der gar nicht so heimliche Star hieß Markus Babbel. Der neue Trainer bemühte sich erst gar nicht, seinen bayerischen Akzent zu verbergen, was in Berlin nicht unbedingt von Vorteil sein muss. Viel gesagt hat er eigentlich nicht, mal abgesehen von der Selbstverständlichkeit, dass „ich fest davon überzeugt bin, dass wir die beste Mannschaft auf die Beine stellen werden“ in der Zweiten Liga, dass er unbedingt in die erste Liga will; „da gehört Hertha hin, dafür werde ich alles tun“, und dass es nicht sein könne, dass Herthas Jugend so viele gute Spieler hervorbringt, von denen keiner in Berlin spielt.

Doch bei aller Unverbindlichkeit sprach Babbel so frisch, frei und glaubwürdig, dass sein acht Minuten dauernder Vortrag mehrfach von Applauswellen unterbrochen wurde. Sein interessantester Satz definierte die inhaltliche Ausgestaltung, wie sie Hertha für die auf ein Jahr angelegte Zukunft in der Unterklassigkeit vorschwebt. Offiziell plant Hertha für die Zweite Liga mit 50 Punkten, zwei Runden im DFB-Pokal und 26 000 Zuschauern im Schnitt. Babbel aber schwebt Größeres vor: „Ich will, dass wir gegen Osnabrück, Aue und wie sie alle heißen in der Zweiten Liga, durch Leistung und Engagement 76 000 Zuschauer ins Stadion bekommen.“

Ähnlich großen Applaus gab es später, als Manager Preetz den Verbleib von Herthas Rekordspieler Pal Dardai verkündete, den früheren Profi Andreas Neuendorf zur Verstärkung der zweiten Mannschaft vorstellte und bekanntgab, dass der einstige Publikumsliebling Andreas Thom künftig die B-Jugend trainieren wird.

So viel Berlin war lange nicht bei Hertha BSC, und Preetz wollte das durchaus als Programm verstanden wissen. „Berlin hat einen eigenen Charakter, und dieser dieser Charakter muss sich bei Hertha widerspiegeln“, rief Preetz in den Saal, „wir müssen uns wieder besinnen, wo wir herkommen. Aus Berlin, für Berlin, das ist unser Auftrag!“

Es herrschte eine beschwingte Leichtigkeit, in der die zuvor angekündigten Abwahlanträge wohl nicht die organisatorische Mühe wert gewesen wären. In eben diesem Sinne entschied die Mehrheit der 1276 stimmberechtigten Mitglieder per Akklamation, auf bürokratisches Rebellentum zu verzichten. Präsident Werner Gegenbauer und seine Gehilfen dürfen auch in der Zweiten Liga weitermachen.

Gewählt wurde dann doch noch, aber nur der vergleichsweise unwichtige Aufsichtsrat, er wird weiterhin vom Medienmanager Bernd Schiphorst geführt. Den größten Applaus und das beste Wahlergebnis aber strich der frühere Profi Andreas Schmidt ein. Besonders für seinen Satz, dass es gerade in Zeiten der Krise geboten sei, Verantwortung im Verein zu übernehmen.

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