Mittelmaß reicht nicht : Deutsches Davis-Cup-Team scheitert an Frankreich

Deutschland liegt in Stuttgart gegen Frankreich im Viertelfinale nach dem Doppel 0:3 zurück und ist damit bereits ausgeschieden.

Petra Philippsen
Trostlos. Christopher Kas (M.) und Philipp Petzschner verlieren im Doppel gegen Jo-Wilfried Tsonga (r.) und Michael Llodra (nicht im Bild).
Trostlos. Christopher Kas (M.) und Philipp Petzschner verlieren im Doppel gegen Jo-Wilfried Tsonga (r.) und Michael Llodra (nicht...Foto: dpa

Stuttgart - Noch lange nach dem Matchball sangen die 400 französischen Fans auf der Tribüne inbrünstig ihre Nationalhymne und lagen sich selig in den Armen. Sie ließen sich in ihrem Freudenrausch auch nicht davon stören, dass gerade Nicolas Kiefer auf dem Center Court offiziell vom Deutschen Tennisbund mit dem „Lifetime Award“ ausgezeichnet wurde. Die Verabschiedung des 34-Jährigen, der seine Karriere im letzten Jahr beendet hatte, machte angesichts der vorzeitig besiegelten Niederlage der deutschen Mannschaft im Davis-Cup-Viertelfinale etwas wehmütig. Denn schließlich war die Ära Kiefers an der Seite von Thomas Haas zwar nicht immer glanzvoll, aber doch bei weitem erfolgreicher, als es die aktuelle Generation derzeit ist. Und sie verstanden es damals noch, das heimische Publikum mitzureißen.

„Es fehlen heute die Typen. Viele Spieler sind einfach zu blass“, monierte Kiefer. Auch die besten deutschen Profis Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber vermochten die Tennisbegeisterten an diesem Wochenende nicht auf den Stuttgarter Killesberg zu locken. Am Samstag kamen zur Doppelpartie wieder nur gut 2500 Zuschauer, obwohl 4000 Platz gehabt hätten. Angesichts der schwachen Ergebnisse bei den ersten drei Grand- Slam-Turnieren hat das deutsche Männertennis derzeit einen schweren Stand und wandelt deutlich im Schatten von Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki.

Die Aufgabe, die im prestigeträchtigsten Mannschaftswettbewerb nun auf das Team von Patrik Kühnen wartete, war dann auch wenig geeignet für frischen Schwung und eine Imagekorrektur. Die Franzosen traten erstmals seit 2008 mit ihrer besten Besetzung aus drei Top-15-Spielern an, hatten es aber auch ohne sie im letzten Jahr ins Finale geschafft und das deutsche Team auf dem Weg dorthin ebenso glatt bezwungen. Seit 1938 war gegen den Nachbarn kein Sieg mehr gelungen, auch jetzt waren die ersten Halbfinalträume der DTB-Profis seit 2007 wieder vorzeitig zerplatzt. „Gegen große Nationen kriegt man nur wenige Chancen“, sagte Kühnen, „die haben wir leider nicht nutzen können.“

Mayer hatte am Freitag gegen Richard Gasquet bereits zum Match aufgeschlagen, wurde dann aber von Krämpfen geplagt und verlor in fünf Sätzen. Kohlschreiber unterlag danach Gael Monfils, der im Stile eines Top-Ten-Spielers die entscheidenden Punkte machte. „Wir müssen über uns hinauswachsen“, hatte Mayer vorab gefordert – vergeblich. Auch im Doppel hatten Christopher Kas und Philipp Petzschner zunächst gut gegen Michael Llodra und Jo-Wilfried Tsonga mitgehalten, verloren aber nach zwei Stunden mit 6:7, 4:6 und 4:6. „Wir haben gute Spieler, aber wir sind keine Weltklassenation“, sagte Petzschner, und fügte an: „Wir brauchen vielleicht ein, zwei Jahre.“ Petra Philippsen

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