Sport : „Mittlere Katastrophe“

Uli Hoeneß über Jürgen Klinsmanns Rücktritt

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Herr Hoeneß, Sie kennen Jürgen Klinsmann seit vielen Jahren ...

... und bin deswegen nicht überrascht über seine Entscheidung. Mein Bauch hat mir schon am Sonntag nach dieser grandiosen Feier vor dem Brandenburger Tor gesagt, dass er nicht weitermachen wird. Jürgen hat seine Abschnitte immer genau definiert und sich dann daran gehalten.

Hätte er nicht B sagen müssen, nachdem er A sagte? Kneift er nicht auf halber Strecke?

Ich will seine Entscheidung nicht bewerten, es ist seine Entscheidung. Dass eine von ihm getroffene Entscheidung unumstößlich ist, das kennen wir auch aus dem Verein. Der Umstand aber, dass er aufhört, das ist eine mittlere Katastrophe. Ich bedauere das sehr. Er hat überaus erfolgreich gearbeitet, er hat frischen Wind entfacht, er hat neue Wege gezeigt, sehr schöne Wege und sehr erfolgreiche. Und nun wird es schwer nach dieser euphorischen Weltmeisterschaft.

Jetzt kommen die Mühen der Ebene.

Ja, und darin ist die Messlatte trotzdem sehr hoch. Die kommenden Spiele werden mit den WM-Spielen verglichen. Aber es sind keine WM-Spiele und keine Heimspiele, es wird auch mal schwächere Spiele geben, und dann wird es auch wieder Kritik geben. Sein Nachfolger tritt ein schweres Amt an.

Aber Jogi Löw ist doch die richtige Wahl?

Unbedingt. Er hat es ja noch am einfachsten, er war an allen Entscheidungen und Veränderungen beteiligt, er war Teil der Euphorie und ist akzeptiert bei den Spielern. Jeder andere, der diesen Job übernommen hätte, wäre auch von den Spielern, erst einmal beäugt worden, und zwar misstrauisch beäugt. Mit Löw aber ist zumindest die Chance da, dass der Aufbruch weitergeht und dass alles, was als gut, erfolgreich und sinnvoll erkannt wurde, sich nahtlos fortsetzen kann.

Die Fragen stellte Helmut Schümann.

Uli Hoeneß (54) ist Manager des FC Bayern München und Sprecher der „Task Force“ der Bundesliga für die Nationalmannschaft, die beim „Krisengipfel“ im Herbst 2005 wiederbelebt wurde.

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