Sport : Models und Stoppuhren

Schaulaufen der Olympiakandidaten in Berlin

Robert Ide

Berlin - Michael Bloomberg traute seinen Augen nicht. „Meine Suite hier ist größer als meine Wohnung zu Hause“, sagte der New Yorker Bürgermeister und Milliardär über seine Unterkunft im Berliner Hotel Interconti. Das Lob, über das sich die Organisatoren des Sportkongresses „Sportaccord“ am Montag freuten, verriet auch ein wenig über das Selbstbewusstsein, mit der die New Yorker Delegation zum Spitzentreffen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gekommen war. Die Amerikaner gelten bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2012 nach wie vor als Außenseiter, doch sie „hauen hier ganz schön auf die Sahne“, wie ein internationaler Spitzenfunktionär bemängelte. So boten etwa die US-Amerikaner den Sportfachverbänden für den Fall des Olympiazuschlags an, sie sieben Jahre lang beim Marketing ihrer Sportarten zu unterstützen. „Jeder Vorschlag der Bewerberstädte muss selbstverständlich der Ethikkommission vorgelegt werden“, kommentierte IOC-Chef Jacques Rogge knapp.

Das Rennen um die Spiele 2012 geht in die entscheidende Phase; und je näher die Endauswahl im Juli in Singapur heranrückt, desto mehr wird die Ethikkommission wohl zu tun bekommen. So wird sie sicherlich auch die am Montag vom Bewerber London unterbreitete Offerte untersuchen, jedem Nationalen Olympischen Komitee die Arbeit in englischen Trainingslagern zu bezahlen – im Wert von jeweils 50 000 US-Dollar. Nach der letzten Präsentation der Olympiastädte vor der versammelten Sportspitze in Berlin hat sich an der Einschätzung vieler Sportpolitiker sowieso nichts geändert: Paris, das zum dritten Mal antritt, ist Favorit. Andere Konkurrenten versuchen schon mal, mit Nebensächlichkeiten Stimmung zu machen. So wirbt Moskau im Kongresszentrum mit den jüngsten Models, Madrid stoppte die Länge des Applaus’ bei der Präsentation und rangierte dabei, welche Überraschung, an erster Stelle – mit 45 Sekunden.

Rogge betrachtet den skurrilen Schaukampf eher mit Zurückhaltung. „Zu den Präsentationen äußere ich mich nicht, weil ich sie nicht gesehen habe“, sagte er und entschuldigte sein verspätetes Eintreffen mit Flugverzögerungen. Der IOC-Chef hat sowieso andere Probleme zu lösen. Die von ihm seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren angestoßene Reform des olympischen Programms kommt nicht voran. Mit seinem Versuch, unattraktive Sportarten wie Baseball oder Softball aus dem Programm zu werfen, stößt er weiterhin auf heftigen Widerstand. Nun delegiert er sein Vorhaben nach unten. Rogge will im IOC über jede Sportart einzeln abstimmen lassen – wer eine Mehrheit von mehr als 50 Prozent bekommt, darf bleiben. Kleine Verbände, die diese Marke verfehlen, müssten attraktiveren Disziplinen wie Rugby, Squash oder Inline-Skating Platz machen.

Eine Aufstockung des olympischen Programms jedoch möchte die IOC-Spitze verhindern. „Wir wollen das Wachstum begrenzen“, sagte Rogge. Begrenztes Wachstum und Bescheidenheit – diese Begriffe scheinen sich in der internationalen Sportwelt nur langsam durchzusetzen.

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