Sport : Moderne Revanche

Der EHC Eisbären schlägt den Meister Frankfurt Lions nach Penaltyschießen 4:3

Claus Vetter

Berlin - Für einen kurzen Augenblick flackerte ein interessantes Bild auf der betagten Anzeigetafel im Sportforum Hohenschönhausen. Ein Bild, das die Fans der Eisbären nicht gerne sehen. Ein Mann mit Pokal huschte in der Werbung eines Privatsenders über die Videowand: Paul Stanton, der ehemalige Kapitän der Frankfurt Lions stemmte die Meisterschaftstrophäe in die Luft – nach der dramatischen Finalserie gegen die Berliner.

Rund acht Monate ist das nun her. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Ewigkeit. Beim dritten Saisonspiel zwischen den Eisbären und den Lions jedenfalls erinnerte wenig an die für die Berliner so trübe Endspielserie vom Frühjahr. Schließlich gab es für die Berliner gestern ein Happy End gegen den Meister, sie siegten 4:3 (2:0, 1:1, 0:2/1:0) nach Penaltyschießen.

Vergangene Saison gewannen die Berliner alle vier Partien in der Hauptrunde, gestern siegten sie bereits zum zweiten Mal im dritten Saisonspiel gegen die Lions. Woran das liegen mag? Wohl daran, dass die Eisbären den Hessen in spielerischer Hinsicht ein Stück voraus sind, moderner, dynamischer und ausgeglichener agieren als ein Gegner, in dessen Spiel sich zu viel auf Patrick Lebeau konzentriert. Wenn Frankfurts Topscorer das Tor mal nicht trifft, dann treffen seine Kollegen meist auch nicht.

So war es zunächst auch gestern. Von Lebeau war wenig zu sehen, und die Eisbären führten bald durch sehenswert herausgespielte Treffer von Kelly Fairchild und Micki DuPont. Allerdings vergaben die Berliner danach zu viele Möglichkeiten und somit auch die Chance, für eine Entscheidung zu sorgen. So kam es, dass den 5000 Zuschauern im Sportforum nach dem Frankfurter Anschlusstor durch Murphy noch Spannung geboten wurde. Zwar gelang Derrick Walser noch im zweiten Drittel im Powerplay das 3:1, doch sechs Minuten vor dem Ende brachte Bouchard den Gegner wieder heran.

Was danach passierte, war für die Berliner zu aufregend. Frankfurt – gestern von Manager Lance Nethery gecoacht, weil Trainer Rich Chernomaz aus familiären Gründen verhindert war – wurde energischer. In der Schlussminute gelang Ratchuk der Ausgleich, Lions-Torwart Ian Gordon hatte zuvor das Eis für einen sechsten Feldspieler verlassen.

Die Berliner hatten einen klaren Sieg verschenkt. So sah es selbst Lance Nethery. „Wir haben mit Glück einen Punkt geholt“, sagte der Frankfurter Interimstrainer und bedankte sich mit den Worten: „Damit ist meine Trainerkarriere beendet.“ Dank ihres Stürmers Sven Felski gab es am Ende für die Eisbären wenigstens zwei Punkte. In seinem 501. DEL-Spiel hatte der Berliner den entscheidenden Penalty zum 4:3-Sieg verwandelt – durch den die Eisbären auch in der Tabelle an den Frankfurtern vorbeizogen. Nach einem gutem Spiel an einem Nachmittag, an dem nichts mehr an die Finalserie aus der vergangenen Saison erinnerte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar