Moderner Fünfkampf : WM-Silber im Biergarten

Fünfkämpferin Schöneborn landet auf Rang zwei. Im Reiten überzeugte sie mit einer fehlerlosen Leistung.

Jennifer Witt
Fahne
Fahne hoch. Lena Schöneborn hat bei der Siegerehrung ein Mitbringsel dabei. -Foto: dpa

Berlin - Sie kommen mit nassen Haaren aus der Schwimmhalle und setzen sich neben die Zuschauer auf Bierbänke. Während sie die Reitstiefel anziehen, unterhalten sie sich mit Kolleginnen, Betreuern und Bekannten. Die Szenerie erinnert eher an einen Biergarten in München als an ein Weltmeisterschaftsfinale. Doch im Modernen Fünfkampf geht alles ein bisschen lockerer zu, wie gestern auf dem Berliner Olympiagelände zu sehen war. Die Fünfkämpferinnen helfen sich gegenseitig in die langen Stiefel, lachen miteinander. Doch sobald die Athletinnen ihre Reituniform angezogen haben, wirken sie ernst. Die Konzentration beginnt.

Zu diesem Zeitpunkt war Lena Schöneborn bereits die letzte deutsche Medaillenhoffnung. Am Ende erhielt die 21-Jährige Silber hinter der 22-jährigen Französin Amelie Caze. Schöneborn konnte im abschließenden Geländelauf nach der ersten 750-Meter-Runde die Tschechin Lucie Grolichova noch überholen, die Französin jedoch war mit einem zu großen Vorsprung gestartet. „Ich bin überglücklich“, freute sich die Bonnerin, „es war ein toller Wettkampf.“

Schöneborn ist nach Sabine Krapf und der aktuellen Bundestrainerin Kim Raisner erst die dritte deutsche WM-Medaillengewinnerin. Die 16-jährige Janine Kohlmann wurde 24. und Eva Trautmann erreichte Rang 32. Die ersten drei Platzierten sicherten sich die Teilnahme für die Olympischen Spiele 2008. Da Schöneborn schon vorher qualifiziert war, konnte sich auch die Vierte Lada Jienbalanowa aus Kasachstan freuen. Heute (ab 8.10 Uhr, Olympiagelände, freier Eintritt) geht es für die deutschen Fünfkämpfer Eric Walther, Sebastian Dietz und Steffen Gebhardt ebenfalls um Weltmeisterschaftsmedaillen.

Lena Schöneborn hatte beim Reiten mit einer fehlerlosen Leistung überzeugt. Nur für Eva Trautmann lief es auch in der vierten Disziplin nicht gut. Dabei hatte sie bei der Auslosung dasselbe Pferd zugeteilt bekommen wie Schöneborn. Doch der Wallach „Ready to Fly“ wollte nicht an seine fehlerlose Leistung anknüpfen. Im Gegenteil: Wie ausgewechselt riss das Pferd gleich drei Hürden. Unglücklich für Eva Trautmann, die bereits nach den ersten drei Disziplinen Schießen, Fechten und Schwimmen nur noch im letzten Drittel der 36 Finalistinnen landen konnte. Nach dem Springreiten saß sie bei ihrer Familie und kämpfte mit den Tränen. Sie habe viel Pech gehabt, erklärte sie.

Nach dem Laufen hatte sich Eva Trautmann wieder gefasst. Gemeinsam mit den anderen beiden deutschen Fünfkämpferinnen lief sie über den Rasen und winkte in die Ränge, die nur mit rund 300 Zuschauern besetzt waren. Schöneborn bejubelte ihren zweiten Platz noch ausgelassener. Bei ihrer Familie holte sie sich eine Deutschlandfahne ab, mit der sie auf das Siegerpodest stieg. Am Ende lagen sich alle Sportlerinnen in den Armen und fotografieren sich gegenseitig. Wie Freundinnen. Offenbar geht es im Modernen Fünfkampf tatsächlich lockerer zu als anderswo.

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